Grevenbroich: Kanalbau geht in letzte Runde

Grevenbroich: Kanalbau geht in letzte Runde

Ein Millionen-Projekt wollen die Wirtschaftsbetriebe im Sommer abschließen. Zwischen Sodbach und Gustorf wurde in zweiter Abwasserkanal verlegt. Überflutungen am Langer Weg sollen der Vergangenheit angehören.

Bei aller Zuversicht bleibt doch ein wenig Sorge: "Wir sind optimistisch und hoffen, dass mit dem neuen Abwasserkanal die Überschwemmungen bei uns der Vergangenheit angehören", sagt Peter Zorn. Zu oft mussten der 63 Jahre alte Betreiber der "Mühlenstube" und eines Veranstaltungsunternehmens für Events sowie andere Anwohner an der Straße Langer Weg in Gustorf Wasserschäden beseitigen. "Wir sind hier jedes Jahr bei starken Regenfällen abgesoffen, hatten in 15 Jahren Schäden für 30 000 Euro. Die Versicherungen machen das nicht mehr mit", ärgert sich Zorn.

Bei starken Regenfällen hat "Mühlenstuben"-Chef Peter Zorn viel zu tun: Oftmals sind seine Räume am Langer Weg überschwemmt. Foto: Archiv H. Jazyk

Damit soll es vorbei sein: Für 4,1 Millionen Euro haben die Wirtschaftsbetriebe Grevenbroich (WGV) zwischen Gustorf und der Pumpanlage am Sodbach in Grevenbroich einen zweiten Abwasserkanal verlegt, der alte daneben bleibt erhalten und wird saniert.

Das Problem bislang: Für sehr starke Regengüsse war der Verbindungssammler zu klein dimensioniert. Das Wasser staute sich zurück und schwappte an der niedrigsten Stelle — eben am Langer Weg — auf die Straße und weiter auf die Höfe. "Mit dem zusätzlichen Kanal haben wir die Leistungsfähigkeit verdoppelt", erläutert Uwe Bors, der bei den WGV für die Abwasseranlagen zuständig ist. "Außerdem steht bei Störungen nun eine zweite Leitung zur Verfügung."

Der neue Kanal mit 60 bis 80 Zentimeter Innendurchmesser ist bereits komplett bis zur Wassermühle verlegt. In etwa einem Monat läuft die letzte Etappe "für die Sanierung des alten Kanals von der Frenzenhofstraße bis Langer Weg an", erläutert Uwe Bors. Das Rohr wird nicht ausgetauscht, sondern von innen ausgekleidet. Dabei wird ein kunstharzgetränkter "Strumpf" ins Rohr gezogen und ausgehärtet — ohne dass der Boden dafür aufgerissen werden muss. Dieses "Inliner-Verfahren" ist laut den Wirtschaftsbetrieben schneller und zudem preiswerter. "Und das Material ist so hart, dass Wurzeln nicht durchdringen und die Leitung beschädigen können", nennt Uwe Bors einen weiteren Vorzug. Im Juli sollen die Arbeiten auf dem 700 Meter langen, letzten Abschnitt abgeschlossen werden.

Peter Zorn hofft nun, dass der Rückstau im Verbindungssammler und die Überschwemmungen bei ihm und anderen endlich der Vergangenheit angehören, dass er bei Regengüssen keine Sorge mehr haben muss. "Der neue Abwasserkanal reicht aber nur bis zur Wassermühle, bei uns in der Straße liegen weiterhin die alten Rohre aus den 50er Jahren", so Zorn. "Wir werden im Sommer Messungen für den Durchfluss vornehmen, um zu prüfen, ob wir am Langer Weg nachbessern müssen", kündigt Uwe Bors von den WGV an.

(NGZ)