1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Vor Ort in Neuenhausen: Kanal rauscht wie ein Wildbach

Vor Ort in Neuenhausen : Kanal rauscht wie ein Wildbach

Von Wiljo Piel

Von Wiljo Piel

Die NGZ war am Freitag in Neuenhausen vor Ort, um zu erfahren, wo den Bürgern der Schuh drückt . Anderthalb Stunden lang wurde auf dem Pötzplatz lebhaft diskutiert. Dabei kamen Themen wie Nahversorgung, Dorfentwicklung und Überschwemmungen zur Sprache. Alles im Lot in Neuenhausen? Offensichtlich nicht. Was die Besucher des NGZ-Standes am Freitag in Wallung brachte: Sie fühlen sich von ihren örtlichen Ratsvertretern nicht ausreichend berücksichtigt. Beispiel: der vor vier Jahren herausgegebene Dorfentwicklungsplan. "Eine Luftnummer", wie Karin Hütten meint: Während in Neukirchen und Hemmerden solche Pläne mit großem Engagement umgesetzt werden, herrscht in Neuenhausen Flaute.

"In den anderen Orten haben sich ja auch Ratsvertreter darum gekümmert, damit Aktivitäten auf die Schiene gebracht werden konnten. Hier aber ist die Aktion sanft entschlummert", berichtet Sigrun Wintersig. Die Neuenhausener Politiker hätten sich intensiver um das Projekt kümmern müssen, dann wäre es ihrer Meinung nach auch zu einer Vereinsgründung gekommen - so, wie in den anderen Dörfern. Dass die Neuenhausener aktiv und einsatzbereit sind, ließe sich alleine schon am Schützenhaus erkennen, das die Bruderschaft vor einigen Jahren mit viel Eigenleistung aus dem Boden gestampft habe: "Das ist ein Symbol für eine engagierte Dorfgemeinschaft", meint Wintersig.

Ein weiteres Problem: Es gibt zu wenig Einkaufsmöglichkeiten. Zwar decke ein Laden ("Mit einer Super-Fleischtheke") den täglichen Bedarf ab, doch wer in den Supermarkt will, muss weite Wege in die benachbarten Orte antreten. "Gerade für ältere Leute ist das nicht schön", weiß Hannelore Giesen, die als Avon-Beraterin viel rumkommt.

"Manchmal bringe ich den Senioren schon mal mit, was sie im Haushalt so brauchen. Das hole ich dann vorher im Supermarkt", meint die Neuenhausenerin. "Wer kein Auto besitzt, hat hier ein Problem", weiß auch Paul Aretz, der am Pötzplatz ein herrlich renoviertes Fachwerkhaus bewohnt. Seine Meinung: Ein Ort, der ständig wächst und eine Einwohnerzahl von nahezu 3 000 erreicht hat, braucht einen großen Nahversorger.

Wasser ist am Fuße der Vollrather Höhe ein weiteres Ärgernis: Und zwar das, das nicht nur nach heftigen Regengüssen hin und wieder Keller und sogar Wohnzimmer überflutet. Rolf Göckmann, Neuenhausener Rechtsanwalt und Bürgermeister-Kandidat der UWG, kennt das Problem. Seine Fraktion hat es im Rahmen eines Antrags bereits gegenüber dem Bürgermeister formuliert: "Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden", meint er.

Immer wieder würden Häuser überflutet - beispielsweise an der Willibrordusstraße oder am Akazienweg -, so dass die Bewohner schon Angst hätten, in Urlaub zu fahren: "Wer verreist, gibt in der Regel dem Nachbarn den Schlüssel, damit er im Falle eines Falles den Keller rechtzeitig leer schöpfen kann." Göckmanns Forderung: Die Kanäle müssen gecheckt werden. Denn offenbar sei nicht nur der Regen daran schuld, dass die Rohre an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen: "Selbst bei schönem Wetter rauscht es in den Kanälen wie ein Wildbach. Offenbar wird etwas eingeleitet, was sie überfordert."

Nicht nur mit Blick auf das am nächsten Samstag anstehende Pötzplatzfest wünscht sich Eberhard Lames vom örtlichen Quartettverein, dass das "historische Zentrum" des Ortes ein wenig aufgewertet wird: "Hier müssten der Wildwuchs beschnitten, der Dreckhaufen weggeschafft und ein paar Bänke aufgestellt werden - dann wäre das hier ein Platz, der sich als Treffpunkt vor allem in den Sommermonaten anbieten könnte." Apropos: Treffpunkte für Jugendliche gibt es keine im Ort. Ein Manko, das Christiane Göckmann ansprach: "Die jungen Leute treffen sich auf dem Schulhof, weil es hier nichts anderes gibt."

Möglicherweise auch eine Aufgabe, die sich die örtliche Politik auf die Fahnen schreiben sollte. Von den Vertretern der etablierten Parteien ließ sich am Freitag am NGZ-Stand auf dem Pötzplatz jedoch keiner blicken.

(NGZ)