Abfall-Thema beschäftigt Stadtbetriebe stärker denn je Kampf dem Müll – wie Grevenbroich sauberer werden soll

Grevenbroich · An der großen Heimatliebe-Umfrage unserer Zeitung haben sich 15.000 Leserinnen und Leser beteiligt – und im Schnitt die Note „befriedigend“ für die Sauberkeit in ihrer Heimat vergeben. Die Stadtbetriebe wollen aufrüsten: neue Technik, neue Abfallbehälter. Wilde Müllkippen werden mehr und mehr zum Problem. Das ruft auch die Politik auf den Plan.

 Ein Mitarbeiter der Grevenbroicher Stadtbetriebe bei der Reinigung in der Fußgängerzone, bei der ein sogenannter Glutton eingesetzt wird, eine Art XXL-Staubsauger.

Ein Mitarbeiter der Grevenbroicher Stadtbetriebe bei der Reinigung in der Fußgängerzone, bei der ein sogenannter Glutton eingesetzt wird, eine Art XXL-Staubsauger.

Foto: Wolfgang Walter

Unter dem Stichwort „Heimatliebe“ hat die Neuß-Grevenbroicher Zeitung ihre Leser im Frühjahr unter anderem zum Wohlfühl-Faktor in ihrer Heimat befragt. Ein wichtiger Punkt: die Sauberkeit. Dafür gab’s nach Auswertung der Umfrageergebnisse im Schnitt die Schulnote „befriedigend“ (3,1). Offenbar sehen viele noch Luft nach oben – insbesondere ältere Menschen in Grevenbroich und Umgebung. Sie tendierten in der Befragung eher dazu, die Noten „ausreichend“, „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“ zu vergeben.

Mangelnde Sauberkeit ist ein Thema, das viele Menschen in Grevenbroich seit Jahren umtreibt. Dabei tun die Stadtbetriebe viel, um dem Problem Herr zu werden. Jeden Tag sind Reinigungskolonnen im Stadtgebiet unterwegs, um die Straßen von Unrat zu befreien. Aber auch außerhalb der dicht besiedelten Bereiche sind die „Saubermänner und -frauen“ der Stadtbetriebe regelmäßig gefragt, insbesondere in puncto „wilde Müllkippen“. „Wir reden mittlerweile über ein verstärktes Aufkommen“, sagt Stadtbetriebe-Chefin Monika Striken-Hohmann.

Bis zu zweimal pro Woche müssten Mitarbeiter der Stadtbetriebe bestimmte Glascontainer im Stadtgebiet ansteuern, weil dort große Mengen Müll abgelagert werden (alles außer Glas). Die Meldungen ploppen unter anderem im Mängelmelder auf, den die Stadtbetriebe eigens ins Leben gerufen haben, um bei Missständen (und Verschmutzungen) rasch reagieren zu können. „Leider sind nur wenige Standorte von Glascontainern nicht von Ablagerungen betroffen“, stellt Stirken-Hohmann fest: „Das ist hochproblematisch geworden.“

Das Erscheinungsbild wird dadurch gestört, die Stadtbetriebe räumen hinter Müllsündern auf – und transportieren den Abfall auf ihr Betriebsgelände in Noithausen, wo er sortiert und in große Container verfrachtet wird. Die Kosten steigen von Jahr zu Jahr. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr auf Kosten von 350.000 Euro kommen werden – für das Personal, die nötigen Fahrzeuge und für die fachgerechte Entsorgung des gesammelten Mülls“, sagt die Stadtbetriebe-Chefin. Im vergangenen Jahr seien nur durch wilde Müllablagerungen Kosten von gut 290.000 Euro entstanden, die letztlich von der Allgemeinheit getragen werden.

Für die Stadtbetriebe ist der Kampf gegen wilde Müllablagerungen gewissermaßen ein „Kampf gegen Windmühlen“. Stirken-Hohmann schätzt, dass mindestens 20 Prozent der 235 Mitarbeiter zählenden Stadtbetriebe-Belegschaft (ob draußen oder im Büro) mit dem Thema Müllentsorgung befasst sind. Ein Teil dieser Menschen steht in Sachen Sauberkeit an vorderster Front: Es sind die Mitglieder der Kolonnen, die unter der Woche jeden Tag im Stadtgebiet unterwegs sind, um Müll zu beseitigen, Straßen und Bürgersteige sauber zu halten.

Beispielsweise sind Männer und Frauen mit überdimensionalen „Staubsaugern“ unterwegs, mit denen sie allerhand Unrat beseitigen können. „Wir werden dahingehend weiter aufrüsten“, kündigt Monika Stirken-Hohmann an: Die Stadtbetriebe wollen ein Gerät durch ein moderneres ersetzen, perspektivisch einen weiteren „Spezialsauger“ beschaffen. „Die Kollegen sind jeden Tag über Stunden im Stadtgebiet unterwegs. Das trägt zum Stadtbild bei“, betont Stirken-Hohmann. Sie hofft auch, dass etwa durch die Aufstellung neuer Abfallbehälter an verschiedenen Stellen im Stadtzentrum ein Umdenken bei Bürgern erzielt werden kann: dahingehend, dass sie mehr Verantwortung für ihr direktes Umfeld übernehmen und Müll nicht achtlos wegwerfen.

Grevenbroicherinnen wie Martina Suermann, die sich politisch in der Fraktion Mein Grevenbroich engagiert und im Bahnhofsviertel zu Hause ist, sehen hier den richtigen Ansatz: Aus ihrer Sicht müssen die Verursacher des Mülls erreicht werden. „Wir müssen ihnen besser habhaft werden, strenger sein bei Kontrollen, Repressalien durchsetzen“, sagt sie: „Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass die Allgemeinheit für den achtlos weggeworfenen Dreck aufkommen muss.“ Handlungsbedarf sieht Suermann unter anderem im Bahnhofsviertel. Die Politikerin sieht keinesfalls nur die Stadtbetriebe in der Pflicht, in Sachen Müll aktiv zu werden (was sie ja de facto schon tun): Auch der städtische Ordnungs- und Servicedienst müsse aktiv werden, das Gespräch suchen, auch mit Hauseigentümern.

Die Grevenbroicherin weist in dem Zusammenhang auf einen vor Jahren gestellten Antrag hin, der auf „Müllinspektoren“ abzielt: auf Detektive, die größeren Ablagerungen wilden Mülls, zu denen es in der Vergangenheit durchaus auch im Bahnhofsviertel gekommen ist, auf den Grund gehen; die versuchen, die Verursacher dingfest zu machen. „Mich beschäftigt das Thema schon so lange, wie ich Politik mache“, sagt Martina Suermann: „Ich glaube, wir müssen uns der Sache kreativ widmen. Es müssen neue Lösungen her, wenn wir eine attraktive Stadt bleiben möchten – auch für potenzielle Neubürger oder Unternehmen, die sich ansiedeln möchten.“