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Käfer-Allee in Grevenbroich: Neues vom blühenden Bürger-Sinn.

Käfer-Allee in Grevenbroich : Neues vom blühenden Bürger-Sinn

Die Käfer-Allee Gustorf/Gindorf hat zwei Rastplätze bekommen. Und drei Ansitzpunkte für den Bussard des Reviers mit dem Spitznamen Norbert. Zudem bereitet Initiator Gerd Cremer derzeit die Vereinsgründung vor.

Gerd Cremer hat Schmetterlinge im Kopf. Und Erdhummeln, Bärenklau, Käfer, Mäuse, Lavendel, Kornblumen, Kaninchen – die komplette Natur eben. Vor einem Jahr hatte der Vorruheständler die Idee, den Sockel zur L 116 erblühen zu lassen. Heute summt und brummt es dort über hunderten von bunten Blüten. Und weil die Bauern auf der anderen Seite des einst schnöden Wirtschaftswegs am Ackerrand ebenfalls Blühstreifen eingezogen haben, stimmen die tiefblauen Straßenschilder nun tatsächlich: Käfer-Allee.

Sie ist 1,5 Kilometer lang. Und auch wenn Gerd Cremer 2019 im Vorüberfahren die Idee zu dem Naturprojekt hatte, sorgt er seither dafür, dass sich möglichst alle in Gustorf und Gindorf davon angesprochen fühlen. Die Vereine des Stadtteils, die Schulen und Kindergärten machen mit. Zum Auftakt traten 200 Anwohner an, um die vom Grevenbroicher Schneckenhaus empfohlene Saatmischung zu verstreuen. Mittlerweile wurden mehr als 100 Kilogramm davon ausgesät. „Niemand musste lange gebeten werden, alle machten begeistert mit. Teilweise beteiligten sich Senioren in ihren Rollstühlen daran, den Samen auszubringen“, sagt Cremer. Die Schützen waren dabei. Die Feuerwehr. Der Heimatverein, Fußballer, das Tambourcorps. Von Radio News 89.4 über örtliche Medien bis hin zur NGZ Grevenbroich begeisterte der unermüdliche Cremer selbst naturferne Redaktionsstubenhocker, Hand anzulegen. Viele übernahmen als Paten Teilstücke der Käfer-Allee.

Zwei neue Rastplätze hat die Käfer-Allee bekommen. Auf Rindenmulch und ergänzt um Papierkörbe laden sie zum Verweilen ein. Foto: Dirk Neubauer

Und nun gibt es wieder Neuigkeiten von dem blühenden Bürgersinn. Acht Menschen haben gemeinsam mit Gerd Cremer haben den Verein „Käfer-Allee Gustorf/Gindorf“ gegründet. Sobald die letzten Formalitäten erledigt sind, kommt ein „e.V.“ hinten dran. Zwei gespendete Sitzbänke wurden aufgestellt, damit sich Senioren bei ihren Spaziergängen mal ausruhen können. „Das geht auf Anregungen unserer Besucher zurück“, sagt Cremer. Der Bussard des Reviers bekam drei Sitzplätze, damit er komfortabel auf Beute lauern kann. Und versteckt im Geäst hängen fünf Insektenhotels.

Jeden Tag sind die engagierten Hüter der Käfer-Allee unterwegs. Immer ist etwas zu tun. Die Brombeerranken müssen rechtzeitig zurück geschnitten werden, damit sie nicht den Boden berühren, neue Wurzeln bilden und die Blütenpracht verdrängen. Auf 80 Metern Länge wurde der Winterraps gemäht, weil er allen anderen Pflanzen Licht und Luft nahm. An den Sitzbänken liegt Totholz, damit auch dort Insekten nisten können. Zudem sollen dort Wildrosen als weiterer Farbfleck wachsen.

Während Gerd Cremer von all diesen Punkten auf seiner To-Do-Liste berichtet, kommt er nur mit Unterbrechungen voran. Ein spanisches Ehepaar grüßt freundlich: „Es ist echt schön geworden. Wir sind hier jeden Tag unterwegs.“ Einem Hundebesitzer ruft Cremer hinter: „Ich rufe Dich gleich mal an.“ Es sei wichtig, möglichst viele Menschen für die Käfer-Allee zu begeistern – denn für Klima und Umwelt sei es fünf vor zwölf – sagt der Blumenmann von Gustorf.

Und er hat schon die nächsten Ideen: Die Schulen könnten im Werkunterricht weitere Nisthilfen für Insekten bauen. Und im Rahmen der noch nicht gestarteten Aktion „Käfer-Sträßchen“ könnten Bürger animiert werden, die Baumscheiben und Straßenränder vor ihren Häusern mit der bewährten, Saatmischung heimischer Blüher zu verschönern. Beides fiel Corona zum Opfer. Aber wer Gerd Cremer einmal auf der Käfer-Allee begleitet hat, der ahnt: Dabei bleibt es nicht. Auch diese Saat wird schon bald aufgehen.