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Justiz in Grevenbroich: von heiklen Finanztipps und einer Waffe am Kopf

Justiz in Grevenbroich : Prozess um Bitcoin-Anlagenbetrug im Internet

Ein spektakulärer Raubüberfall auf einen Grevenbroicher „Influencer“ beschäftigt seit Montag das Landgericht Mönchengladbach. Angeklagt sind zwei 25 und 27 Jahre alte Männer aus Grevenbroich.

Ein spektakulärer Raubüberfall auf einen Grevenbroicher „Influencer“ beschäftigt seit Montag das Landgericht Mönchengladbach. Angeklagt sind zwei 25 und 27 Jahre alte Männer aus Grevenbroich. Sie sollen ihr Opfer in dessen Wohnung an der Rheydter Straße mit einer Pistole bedroht haben. Hintergrund der Tat war ein Anlage-Betrug im Internet.

Ende 2017 hatte der Influencer offenbar seinen besten Freund aus Jugendtagen davon überzeugt, ihm sein komplettes Erspartes für eine so genannte „Bitcoin“-Geldanlage im Internet zu überlassen. „Er hat mir 20 Prozent Rendite versprochen, eine angeblich ganz sichere Sache“, so der Angeklagte. Kurze Zeit später sei das Geld weg gewesen – das Internet-Unternehmen, bei dem das Geld angelegt worden war, war von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht aus dem Verkehr gezogen worden.

„Ich habe meinen Freund daraufhin etliche Male gebeten, mir das Geld zurückzugeben, da kam aber nichts“, so der angeklagte Rohrleitungsbauer. Anfang Januar 2018 eskalierte die Situation: Er und zwei Freunde statteten dem Finanzwelt-Influencer, der sich bei Instagram und Facebook mit Luxus-Autos, Schiffen und Champagner zeigt, einen Besuch ab. „Wir sollten Druck machen, ich habe ihm eine Schreckschusspistole an den Kopf gehalten“, räumte ein Mitangeklagter ein. Doch der Überfallene wusste sich zu wehren. Er warf sich auf den Boden, wurde zwar von Tritten getroffen, rief aber so laut um Hilfe, so dass die Täter die Wohnung verließen.

Trotz ihres Geständnisses können die beiden Angeklagten im Prozess auf Milde hoffen. Richter und Staatsanwaltschaft gingen mit dem Opfer hart ins Gericht. Der 23jährige wollte sich im Zeugenstand an die genauen Abläufe rund um die Bitcoins nicht recht erinnern können und inszenierte sich nach Meinung des zuständigen Staatsanwalts als Unschuldslamm. Auch Richter Hagen Diepolder bezeichnete den Influencer als Teil eines Betrugssystems – möglich, dass auf das Opfer des Raubüberfalls nun Ermittlungen und ein Verfahren zukommen. Er hatte eingeräumt, dass „20 bis 30 Freunde und Bekannte“ durch seine „Tipps“ ihr Geld verloren hätten. Selbst hatte er pro Transaktion 15 Prozent Provision kassiert – nach eigenen Angaben mehrere zehntausend Euro. Er konnte die „Aufregung“ um die Internet-Machenschaften gar nicht verstehen. „Ich habe nur Tipps gegeben und dann wurde mir eine Waffe an den Kopf gehalten“, gab der 23jährige zu Protokoll. „Ich habe seit dem Überfall Angst, ziehe demnächst in ein Haus mit acht Überwachungskameras.“

Am 11. Februar wird der Prozess fortgesetzt.