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Grevenbroich: Junge Experten beraten zu App & Co.

Grevenbroich : Junge Experten beraten zu App & Co.

2015 initiiert, stehen die Medienscouts inzwischen auf dem Schulplan des Pascal-Gymnasiums. Schüler der höheren Jahrgänge beraten dabei ihre jüngeren Mitschüler beim Umgang mit sozialen Medien und deren gefahrlosen Umgang.

Dass Telefone früher an Strippen hingen, wissen Lena Vocke (14), Anna Terhardt (16), Johanna Schurig (15) und Mareike Berkner (16). Ebenso wie ihnen der Begriff "Wählscheibe" etwas sagt. Aber die vier Schülerinnen sind ganz Kinder ihrer Zeit. Die Nutzung von Instagram, Snapchat und Twitter ist für das Quartett so selbstverständlich wie ein- und ausatmen. Wegen ihrer Kompetenzen lotsen die Teenager als Medienscouts jüngere Mitschüler am Pascal-Gymnasium durch virtuelle Welten und soziale Netzwerke.

"Medien sind unfassbar spannend. Es ist faszinierend, was man damit alles machen kann", sagt Mareike zum Thema. Was aber zuweilen mit Späßen anfängt, hat manchmal ungeahnte Tücken, und es ist schwer, sich zu wehren, wenn es gemein wird. Wer zu Eltern oder Lehrern geht, gilt als Petze. Die Medienscouts dagegen reden auf Augenhöhe, "wir vermitteln unsere Infos mit eigenen Worten und Beispielen", sagt Lena, "so entsteht eine andere Offenheit", weiß Lehrerin Nina Kern. Sie unterrichtet am Pascal-Gymnasium nicht nur Sozialwissenschaften und Englisch. Sie ist selbst Mutter von drei Töchtern und weiß aus Erfahrung, "wie wichtig das Thema" ist. Deshalb hat sie die Medienscouts initiiert. Vertrauen ist wichtig, ist aber kein Freifahrschein, technischer Schutz ist nur begrenzt wirksam. "Medienkompetenz hilft am wirksamsten", unaufgeregt vermittelt von jungen Experten. "Wir wollen nicht so sein wie die Lehrer und mit erhobenem Zeigefinger etwas verbieten", sagt Johanna. "Spielerisch" geben sie die Infos weiter, aber mit Nachdruck. Internet-Sicherheit, Cyber mobbing oder Datenschutz sind Bereiche, zu denen sie versiert erklären. "Wie wenig ein Passwort bringt, das normal geschrieben ist", weiß Lea. Werden Großbuchstaben und Zahlen hineinkombiniert, lässt sich das Geheimwort "eben nicht mal eben knacken", ergänzt Lea. "Sich in virtuellen Gruppen zu streiten, ist eine blöde Idee", gibt Anna ein anderes Beispiel. Und Johanna weist darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen virtuellen Welten und echtem Leben eben kein schmaler Grat ist, sondern bewusst gezogen werden muss.

"Wir fanden die Idee, Lotse zu werden, gut", erinnern sie sich an ihren Start vor zwei Jahren. Weitere Voraussetzungen waren Leistungsstand sowie soziale und kommunikative Kompetenzen, erklärt Nina Kern. In verschiedenen Workshops und Seminaren ausgebildet, sind die vier "immer im Schulalltag auffindbar". Mehrfach sind sie in Klassenverbände der Jahrgangsstufe fünf gegangen, um darüber zu informieren, wie auch die Hausaufgabengruppe bei Permanentanfragen blockiert werden kann. Ob Kettenbrief ("wegen der Virengefahr sofort löschen und sich nie Angst einjagen lassen") oder Datenmenge ("erst prüfen"), die Medienscouts wissen Bescheid. Ihre Kompetenz macht sie zu Multiplikatoren. Bei Suizidandeutungen, wenn Gewalt angedroht wird oder Situationen zu eskalieren drohen, wenden sie sich an Lehrer. "Das ist aber noch nie vorgekommen."

Im nächsten Schritt wollen sie potenzielle Nachfolger einarbeiten. Selbst bleiben sie am Ball, denn Bild- und Videonachrichten zu versenden, die mit Filtern, Effekten und Texten versehen werden können, entwickelt sich kontinuierlich weiter. Sie selbst können ihre Mobilfunktelefone "echt gut mal aus der Hand legen", sagen sie übereinstimmend. "Ich bin noch gewissenhafter im Umgang und überlege genau, was sich besser und schöner persönlich klären lässt", sagt Johanna.

(von)