Jugendkunstschule bildet Nachwuchs aus

Kunst als Beruf : Eva Sommer liebt es blutrünstig

Sie konnte zeichnen, bevor sie zu sprechen begann. Jetzt will Eva Sommer ihr Hobby zum Beruf machen. Deshalb absolviert sie nicht nur ein entsprechendes Fach-Abi. Sie kümmert sich ebenso um Hospitanzen und Praktika.

Ungebremste Kreativität und neue Ideen entwickelt Eva Sommer am laufenden Band. Die 17Jjährige hat „eine kreative Ader“, wie ihre Mutter Angela bestätigt. „Sie hat lange, bevor sie anfing zu sprechen, bereits gezeichnet.“ Aus dem unübersehbaren Talent will sie auch beruflich etwas machen: Das Berufsziel heißt Maskenbildnerin. „Das ist mein Traumjob“, sagt Eva Sommer. Auch die Schule hat sie für diesen Plan ausgewählt, im kommenden Jahr macht sie Fachabitur an der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Düsseldorf in Gestaltung und Design. Parallel dazu sucht sie schon einen Ausbildungsplatz. „Das ist nicht ganz einfach, aber ich lasse mich nicht abbringen“, sagt sie. Gesichter von Leuten zu verändern und ihnen Ausdruck zu verleihen, bereitet ihr „großes Vergnügen, das ist eine tolle Herausforderung. denn schön schminken kann doch jeder.“ Bevorzugt kitzelt sie andere Wesenszüge aus den zu Schminkenden - als Probanden fungieren oft Mutter Angela und ihre ältere Schwester Leonie Sommer. „Anfangs war die echt genervt. Aber inzwischen bittet sie mich sogar darum“, sagt Eva Sommer. Zu Halloween beispielsweise hat sich nicht nur die komplette Familie geschminkt, sondern quasi die Gesichter der kompletten Nachbarschaft neu gestaltet. „Ich mag es ja auch gerne mal blutrünstig“, gibt die Schülerin zu. „Ein bisschen zu schockieren ist gut.“Erlernt hat Eva Sommer viel ihres Handwerkzeugs in der von Rudolf Ladwig geleiteten Jugendkunstschule. „Mit elf Jahren habe ich bei Norbert Hompesch den ersten Malkurs belegt“, dort hatte sie neben „allem Spaß, den die Kurse machen“ vor allem „viel gelernt, das war eine wichtige Ausbildung“. Sie wurde gefördert, lernte Techniken und Materialien kennen – und ist dort noch immer gerne tätig: „Leinwände und die ganzen Acrylfarben habe ich ja nicht zu Hause.“ Was ihren Wunsch-Werdegang angeht, „bin ich wirklich entschlossen“, deshalb absolviert sie jetzt ein Jahrespraktikum im Neusser Theater am Schlachthof. Handwerkern, bauen und hämmern sind da Programm, „am Ende gestalte ich die dann meist allein aus“. Produktionen wie die „Weihnachtshexe“ oder „Der Maulwurf“ begleitete sie, bei den „Bremer Stadtmusikanten“ war die „besondere Herausforderung, dass es ein reisefähiges Bühnenbild“ werden musste. „Allein in einem Männer-Team zu sein ist mega nett, aber mitunter echt anstrengend“, sagt sie. Sich durchzusetzen und nicht unter kriegen zu lassen, sind Nebeneffekte für den späteren Berufsweg. Seit Jahrhunderten existiert der Traditionsberuf Maskenbildner, händeringend wird Nachwuchs gesucht – aber viele schreckt die an Theatern übliche eher minimalistische Bezahlung bei einem Höchstmaß an Arbeitsstunden ab.

„Wenn wirklich gar nichts geht, könnte ich mir als Plan B eine Ausbildung zur Mediendesignerin vorstellen. Das ist auch kreativ.“ Striktes Lernen sei „nicht so“ ihres, und das Placet ihrer Eltern hat sie. „Die Kinder da zu unterstützen, wo ihre Ressourcen sind, halte ich für richtig“, sagt Angela Sommer. „Eva hat wirklich richtig Talent.