Grevenbroich: Jugendarbeit? Wir machen das!

Grevenbroich: Jugendarbeit? Wir machen das!

Sie sind "junge Helden": Um ihre Heimatstadt für Jugendliche attraktiv zu machen, ergreifen viele junge Erwachsene aus Grevenbroich die Initiative - und stoßen Projekte an.

Die Stadt Grevenbroich ist unter Jugendlichen nicht dafür bekannt, besonders viel zu bieten: Viele junge Erwachsene konzentrieren sich daher auf umliegende Großstädte und verbringen ihre Freizeit dort. Doch gegen das verstaubte Image der Schlossstadt kämpfen einige Jugendliche verstärkt an - und opfern dafür ihre eigene Freizeit. In den vergangenen Jahren haben sie zahlreiche Projekte neu angestoßen, um ihre Heimat für Kinder und Jugendliche attraktiver zu machen.

Jillian Kuhn singt in der Band „2morrow“. Sie schreibt und komponiert Stücke selbst. fotos: ATI (2), salz (1), pixabay.com Foto: Tinter Anja

Einer dieser "jungen Helden" ist Mark Dürrbeck: Der 23-Jährige ist Vorsitzender des Grevenbroicher Jugendferienwerks, eine Art "Dachverband", an den verschiedene Jugendorganisationen andocken - darunter die des Kirchengemeindeverbands Elsbach-Erft und die Katholische Junge Gemeinde. "Im Kern organisieren wir Kinder- und Jugendfreizeiten", sagt Mark Dürrbeck, der seit vier Jahren als Betreuer mit dabei ist und vorher selbst an den Aktionen des Werks teilgenommen hat. "Mit unserem Programm erreichen wir jährlich etwa 400 Kinder und Jugendliche", erzählt Dürrbeck.

Mark Dürrbeck ist Vorsitzender des Jugendferienwerks und organisiert Ausflüge für Kinder und Jugendliche mit. Foto: Tinter Anja

Das Werk ist nicht mehr aus der Stadt Grevenbroich wegzudenken: Seit der Gründung im Oktober 2011 wächst es stetig. Allein sieben Freizeiten hat das derzeit rund 80 Mitglieder zählende Betreuer-Team für 2018 organisiert. "Ein Höhepunkt ist auch diesmal das Sommerlager", betont der 23-Jährige. Dieses Jahr wollen 80 Jugendliche an dem zweiwöchigen Ausflug ins österreichische Bezau teilnehmen. "Mitfahren kann jeder, der sich bei uns meldet." Laut Dürrbeck erwarte die Kinder im Alter von sieben bis 15 Jahren ein abwechslungsreiches Programm mit Tagesausflügen - und auch eine "Lagerolympiade" ist geplant, bei der Kinder in verschiedenen Wettkampfdisziplinen gegeneinander antreten. "Das ist immer ein großer Spaß", erzählt Mark Dürrbeck.

Foto: www.pixabay.com

Mit dem Ferienwerk können junge Grevenbroicher auch andere Städte erkunden. Diesmal steht München als Tagestour auf dem Plan. "Wir haben in den vergangenen Jahren auch Städte wie Hamburg, Barcelona und Dublin besucht." Eine Besonderheit: Selbst für finanzschwächere Familien bietet das Jugendferienwerk Lösungen: Kürzlich hat es eine Art "Charity-Projekt" ins Leben gerufen. "Wir versuchen allen Kindern die Reisen zu ermöglichen", betont der Vorsitzende.

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Das Jugendferienwerk versteht sich allerdings auch als Anlaufstelle für junge Menschen vor Ort, es möchte Ansprechpartner sein. Dieses Ziel verfolgt ebenso der von Jugendlichen der weiterführenden Schulen Grevenbroichs gewählte Jugendrat: Er sieht sich als ein Sprachrohr für junge Menschen in der Stadt. Der 18-jährige Emre Akin aus Noithausen ist einer von drei Sprechern des Rats, dessen 14 Mitglieder für zwei Jahre gewählt werden. "Oft wird gemeckert, dass es in Grevenbroich nicht viel für Jugendliche gibt. Wir wollen die Initiative ergreifen und etwas ändern", sagt Akin, für den die Arbeit im Grevenbroicher Jugendrat eine "Herzensangelegenheit" ist. "Es gibt mehrere Projekte, die wir aktiv verfolgen, darunter den Jugendkarneval und die Gestaltung eines Jugendparks für Grevenbroich." So habe eine Umfrage unter Jugendlichen in der Stadt ergeben, dass sie sich einen Treffpunkt wünschen, der mitunter Grill- und Fitnessmöglichkeiten bietet. "Für den Jugendpark gibt es bereits einige favorisierte Plätze, etwa den Ascheplatz an der Waldwiese", sagt Emre Akin, der auf das Pascal-Gymnasium geht.

Der Grevenbroicher ist stolz auf die Idee, die der Jugendrat angestoßen hat. "Wir wollen auf keinen Fall, dass sie in irgendeiner Schublade landet. Uns ist wichtig, dass sie umgesetzt wird." Das Projekt sei bereits im Jugendhilfeausschuss vorgestellt worden. "Wir erfahren auch viel Unterstützung von der Stadt", erzählt Akin, der seit Januar 2017 im Amt ist und berichtet, durch die Arbeit im Rat einiges an Erfahrung gewonnen zu haben. "Der Jugendrat setzt sich für junge Menschen in unserer Heimat ein. Das motiviert uns als Mitglieder sehr."

Mit anderen Menschen das Leben in Grevenbroich gestalten - das ist es, was auch Jillian Kuhn und Anika Habermann aus dem Ortsteil Kapellen antreibt: Die jungen Frauen treten als Musik-Duo "2morrow" auf und machen überwiegend selbst Musik. Und das für eine neue Gruppe außergewöhnlich erfolgreich: Seit Mai vergangenen Jahres hatten sie bereits rund 20 Auftritte. "Einen unserer größten Auftritte bisher hatten wir beim Gesangswettbewerb ,Sing City' in Grevenbroich. Dadurch sind wir auch etwas bekannter geworden", erzählt Jillian Kuhn, die die Texte für die 13 bisher bestehenden Songs selbst geschrieben und die Stücke selbst komponiert hat. "Wir machen ruhigere Musik mit bewegenden Texten, die zum Nachdenken anregen", erzählt die 17-Jährige. Mit ihrer Kollegin Anika Habermann (21) macht sie bereits seit etlichen Jahren Musik; kennengelernt haben sich die beiden im Kapellener "Regenbogenchor". Eine ihrer Stamm-Auftrittslokale: das Café Kultus am Grevenbroicher Markt. "Dort treten wir gerne auf, weil die Bühne so nah am Publikum ist", sagt Kuhn.

(cka)
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