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Jugend in Grevenbroich: Tüten für das Ferienprogramm zu Hause.

Tafel in Grevenbroich : Tüten für das Ferienprogramm zu Hause

Das Betreuungsangebot für Kinder während der Tafel-Ausgabe findet wegen Corona nicht statt. Doch es gibt Ersatz. Zum einen durch eine Tüte, die ab Dienstag ausgegeben wird. Zum anderen durch einige Termine.

Um Kindern und Jugendlichen aus finanziell benachteiligten Familien eine schöne Ferienzeit zu bereiten, bieten die Sozialarbeiter des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) wieder eine Aktion an – allerdings, wie so vieles in diesem Jahr, anders als sonst. „Den Ferienspaß gibt es dieses Mal zum Mitnehmen“, sagt Schulsozialarbeiterin Andrea Kückels, die das BuT-Team in der Alten Feuerwache in Grevenbroich leitet.

Spielsachen, Malstifte, Brotdosen: Andrea Kückels (2.v.l.) und die anderen Sozialarbeiterinnen des Bildungs- und Teilhabepakets packen Ferientüten für Kinder aus benachteiligten Familien. Foto: Dieter Staniek

Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 13 Jahren können sich am heutigen Dienstag sowie am Freitag, 3. Juni, jeweils von 14 bis 17 Uhr Ferientüten auf dem Außengelände der Grevenbroicher Tafel abholen. „In den Tüten befindet sich ein bunter Mix aus Spielen und Aufgaben, mit denen sich die Kinder in den Ferien eigenständig beschäftigen können“, erklärt Kückels. So finden die Kinder neben Spielen und Puzzles etwa einen Stoff-Turnbeutel und Stoffmalfarben darin, mit denen sie die Tasche selbst gestalten können. Da die Altersspanne recht groß ist, gibt es für jedes Kind eine „Grundtüte“, wie die Sozialpädagogin ausführt. Für die älteren Kinder würden dann noch weitere, altersgerechte Materialien dazu gepackt werden.

Damit einzelne Sachen nicht irgendwo in einer Ecke oder Schublade landen, ist es den Pädagogen wichtig, den Kindern einen Anreiz zu geben. „Wir haben Postkarten zum Bemalen mit in die Tüten gepackt – die können die Kinder dann fertig bemalt und beschrieben bei uns in der Feuerwache abgeben, wir frankieren und verschicken sie.“ Die Idee dabei ist, dass die Kinder denjenigen Menschen einen Gruß schicken können, die sie durch die Kontaktbeschränkungen in den vergangenen Wochen nicht treffen konnten. Eine andere Aufgabe in der Tüte sieht das Gestalten eines Buttons vor, der dann ebenfalls in der Feuerwache zum Fertigstellen abgegeben werden kann.

Da mit der Tüten-Aktion möglichst viele Kinder erreicht werden sollen, soll sie – wie auch sonst das Ferienprogramm – möglichst niederschwellig sein. Das heißt konkret: Die Tüten werden kostenlos abgegeben, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Das bringt für die Mitarbeiter jedoch eine logistische Herausforderung mit sich. Um kalkulieren zu können, wie viele Kinder sich Tüten abholen werden, war das Team der Schulsozialarbeiter in der vergangenen Woche bei der Tafel-Ausgabe. „Wir haben eine kleine interne Statistik erstellt, welche Familien mit wie vielen Kindern kommen und wie alt sie sind“, berichtet Kückels. Die Schulsozialarbeiterin rechnet mit rund 60 Kindern. „Wir haben dank unserer großzügigen Sponsoren aber Material für mehr Tüten, falls die Nachfrage größer sein sollte.“ Zu den Sponsoren zählen die Mayersche Buchhandlung, die Volksbank-Erft mit einer Spende von 60 Frühstücksdosen, außerdem Lidl und der Drogeriemarkt dm.

Seit 2012 veranstaltet das Team des Bildungs- und Teilhabepakets in Kooperation mit der Existenzhilfe ein Ferienprogramm auf dem Gelände der Grevenbroicher Tafel. „So können Kinder, deren Eltern ihren Lebensmitteleinkauf bei der Tafel erledigen, an unseren Mal-, Bastel- und Spielaktionen teilnehmen“, so Kückels.

Mit dem von der Bundesregierung beschlossenen Bildungs- und Teilhabepaket sollen Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringerem Einkommen unterstützt werden. Denn: Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe, aber nicht alle Eltern haben die gleichen Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung und die schulische Unterstützung ihres Kindes. Die Bildungs- und Teilhabeleistungen richten sich also insbesondere an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die die Grundsicherung für Arbeitssuchende oder Sozialhilfe erhalten, oder deren Eltern den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen.

Das BuT-Team in Grevenbroich besteht aus fünf Sozialarbeitern, die im soziokulturellen Zentrum der Alten Feuerwache sitzen. Sie beraten Kinder, Jugendliche und Eltern zu den Leistungen und unterstützen sie bei der Antragsstellung. Außerdem berät das Team Vereine und Institutionen in der Stadt und entwickelt in Zusammenarbeit mit ihnen Hilfsangebote.

Die Alte Feuerwache wurde 2011 zu einem Jugendinformations-, Beratungs- und Begegnungszentrum umgebaut und ist seitdem eine zentrale Anlaufstelle für junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Neben dem Team des BuT befinden sich dort auch die mobile Jugendarbeit, der Jugendrat, Berufsorientierungsprojekte und verschiedene Beratungsstellen: etwa für Frauen, für junge Menschen in Strafverfahren, Schwangere und Drogenabhängige.