Grevenbroich: Jürgen Becker begeistert im Gymnasium

Grevenbroich: Jürgen Becker begeistert im Gymnasium

Kirche und Moral, Internet und Schlüsselloch: Der Kabarettist zog im "Volksbegehren" alle Register.

Sagt er sich an, ist die Hütte voll: Anlässlich der Reihe "Kultur extra" gastierte der Kölner Kabarettist Jürgen Becker jetzt in der Aula des Pascal-Gymnasiums. "Volksbegehren" heißt das aktuelle Programm des Kölners, das im echten Wortsinn das menschliche Begehren, also Eros und Sexus, in den Blick nimmt und dabei das Mysterium der Fortpflanzung satirisch bespiegelt.

Dies führte Becker, in den 1980er Jahren Mitbegründer der Kölner Stunk-Sitzung und prominenter Moderator der "Mitternachtsspitzen", in sympathischer Assoziationslust quer durch Kultur- und Menschheitsgeschichte. Politik und Religion, die dem Menschen so oft lustfeindliche Grenzen setzen, bekommen ihr Fett weg und auch tagesaktuelle Anspielungen zur lieben Not der "Jamaika"-Unterhändler durften nicht fehlen.

Entwicklungsbiologisch bestens informiert und kunsthistorisch belesen, führte der kabarettistische Dia-Abend von der Blattlaus und ihrer genialen, absolut sexfreien Fortpflanzungstechnik, die sich Jungfrauengeburt nennt, hin zu den Alltags- und Paarproblemen einer übersexualisierten leistungsorientierten Gesellschaft, in der der Absatz von Potenzmitteln überproportional wächst und der digitale Pornokonsum täglich 30 Prozent des Internettraffics ausmacht.

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Auch Kirche und Moral, die seit je einen festen Platz in Beckers Programmen haben, wurden thematisiert. Egal ob katholisch, evangelisch oder muslimisch, der Kabarettist entlarvt sympathisch typisch menschliche Verhaltensweisen und plädiert für eine liberale und würdige Sicht auf das wahre "Volksbegehren". Dazwischen kalauerte er kräftig und am Ende seines zweistündigen Programms überschritt Becker den von ihm beschriebenen Äquator der Gürtellinie humoristisch um wenige pikante Zentimeter.

Gemütlich und rheinisch-versöhnlich endete der bilderreiche Abend mit frischgezapften Kölsch auf Einladung des Künstlers, der mit lautstarkem Applaus für seinen Auftritt beklatscht wurde.

(NGZ)