Jüchen: A44n wird vom NRW-Verkehrsminister eingeweiht

Tagebau-Autobahn ruft Demonstranten auf den Plan : Verkehrsminister Hendrik Wüst eröffnet die A44n

Demonstranten versuchten am Mittwoch  die Eröffnungsfeier der A 44n zu stören. Die Polizei erstattete Anzeige. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst konnte im Beisein von Hunderten von Gästen die „Tagebau-Autobahn“ freigeben.

Eine kleine Gruppe von 20, teilweise vermummten Kohlegegnern versuchte am Mittwochnachmittag vergeblich, die Eröffnungsfeier der Autobahn 44n zu sabotieren. Die Polizei löste die Demonstration samt Sitzblockade auf. Gegen die Demonstranten, die ein Transparent mit der Aufschrift „Vollsperrung für Braunkohle“ präsentierten, wurden Platzverweise ausgesprochen und Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet.

Dann konnte mit etwa halbstündiger Verspätung im Beisein von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst die 10,5 Kilometer lange A 44n zwischen Holz und Jackerath eröffnet werden. 125,4 Millionen Euro sind in sechs Jahren verbaut worden. 120 Millionen hat RWE Power als Wiederherstellungsleistung gezahlt, den Rest hat der Bund beigesteuert, da auch Teile der A 46 von vier auf sechs Spuren mit ausgebaut wurden. Die Fahrbahn der A 44n in Richtung Koblenz wird aber erst ab Montag für den allgemeinen Verkehr freigegeben.

Das schwarz-rot-goldene Flatterband durchschnitten am Mittwoch beim Festakt neben NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst auch der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann, Thomas Ganz, Regionalleiter beim Landesbetrieb Straßenbau und RWE-Power-Vorstandsvorsitzender Frank Weigand. Hunderte von Gästen aus Politik und Verwaltung waren gekommen, die im großen Festzelt vor dem strömenden Regen Schutz fanden, der just zu den Reden einsetzte. Deshalb verlegten die Geistlichen beider Konfessionen, Regionaldekan Ulrich Clancett und Superintendent Dietrich Denker, ihre Autobahnsegnung auch ins Zelt. Die Segnung von Autobahnen durch die Kirche sei ein guter,. alter Brauch, der durch die neue Landesregierung wieder eingeführt worden sei, betonten Hendrik Wüst und Enak Ferlemann.

Die A 44n gilt in ihrer Größenordnung als einmaliges Projekt in Nordrhein-Westfalen. Staatssekretär Ferlemann bezeichnete sie als „ein tolles Stück Infrastruktur für die Region“. Der Autobahnbau sei eine „großartige Leistung deutscher Ingenieurskunst“, hob er hervor. Schließlich war die A 44n auf besonders schwierigem Untergrund, nämlich ausschließlich auf aufgeschüttetem ehemaligen Tagebauland errichtet worden. Allerdings müsse die A 44n nun auch täglich 90.000 Fahrzeuge aufnehmen, gab Ferlemann zu bedenken, der allerdings auch die bis zu 7,40 Meter hohen Lärmschutzwände erwähnte.

Der Verkehrsminister betonte vor allem in Richtung der vielen anwesenden RWE-Vertreter und ein wenig auch mit Blick auf die vorherige Anti-Kohle-Demonstration an der Autobahnauffahrt: „Auch die neue Landesregierung steht zu der Leitentscheidung von Rot-Grün.“ Diese Verbindlichkeit könne RWE als Zusage mitnehmen. Im übrigen hätten sich die Demonstranten die falsche Zielrichtung ausgesucht. Der Erhalt der Energiesicherheit sei auch das Ziel der neuen Landesregierung. Wüst sagte: „Energiesicherheit ist nur in einem Mix zu erzielen. Und dafür werden wir noch lange auch auf fossile Brennstoffe, also die Kohle, angewiesen sein.“

RWE-Vorstand Frank Weigand bezeichnete die A 44n als „eine Lebensader für die Region“, die im Strukturwandel umso wichtiger werde. Er nutzte die Autobahnfeier aber auch für einen Appell vor dem Hintergrund der gewaltsamen Ausschreitungen von Kohlegegnern gegenüber der Polizei im Hambacher Forst. Er sagte: „Ich verurteile diese Gewalt aufs Heftigste. Ich würde mir wünschen, dass statt Steinen und Molotowcocktails Argumente fliegen.“

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