Grevenbroich: Jeder vierte "Bufdi" in Grevenbroich bricht seinen Dienst ab

Grevenbroich : Jeder vierte "Bufdi" in Grevenbroich bricht seinen Dienst ab

Seit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes quittierte bundesweit jeder dritte Bufdi den Dienst vorzeitig. Das belegen aktuelle Zahlen der Bundesregierung. In Grevenbroich sieht es etwas besser aus. Eine Umfrage unserer Redaktion bei Stadt, Klinik St. Elisabeth, Caritas und Deutschem Roten Kreuz (DRK) ergab, dass nur jeder Vierte seinen Bundesfreiwilligendienst nicht beendet.

Dieser war zum 1. Juli 2011 als Ersatz für den mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst eingeführt worden. "Wenn jemand früher aufhören will, hat das meist persönliche Gründe", erklärt Ralf Müller aus dem Büro des Bürgermeisters. Er betont, dass man den Bufdis keine Steine in den Weg lege. "Was will man mit jemandem, der keine Motivation mehr für die Arbeit hat?"

Die Abbrecherquote bei den befragten Arbeitgebern liest sich wie folgt: Von insgesamt 186 Bufdis haben 44 vorzeitig abgebrochen - das sind etwa 24 Prozent und damit nicht ganz jeder Vierte. Diese Zahl muss aber etwas nach oben korrigiert werden, wenn man die Schilderungen der Stadt berücksichtigt. Dort werden nämlich nur diejenigen als Abbrecher gezählt, die deutlich früher, also Monate vor dem vereinbarten Jahr, aufhören.

"Weitere 20 bis 25 Prozent der Bufdis arbeiten nur elf oder elfeinhalb Monate", sagt Müller - meistens wegen des Semesterbeginns oder des Ausbildungsstarts. Das sei aus Sicht der Stadt aber kein Problem. "Die haben es ja lange aus Überzeugung gemacht", sagt Müller. Da sei es zu kompensieren, wenn eine Stelle mal einige Tage vakant sei. Davon hat die Stadt derzeit zwölf besetzt.

"Bei uns schmeißen auch die Wenigsten die Flinte ins Korn, weil sie keine Lust mehr haben", weiß Susanne Niemöhlmann, Pressesprecherin der Klinik St. Elisabeth, wo jährlich zwei bis drei Bufdis vor allem im Pflegebereich helfend und unterstützend zum Einsatz kommen. "Viele von ihnen wollen die Wartezeit auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz sinnvoll überbrücken." Komme dieses Okay, hätte bislang "keiner von heute auf morgen aufgehört. Die meisten kündigen ihr Ausscheiden an", sagt die Pressesprecherin.

Auch der Caritas-Verband im Rhein-Kreis Neuss beschäftigt Bufdis, ebenso wie Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren (FSJler). In Grevenbroich sind das aktuell acht Bufdis und ebenso viele FSJler, wie Vorstandsmitglied Hans Werner Reisdorf sagt. Nach jetzigem Stand werden zum 1. Juli weitere vier Stellen besetzt. "Es gibt noch offene Stellen. Insgesamt sind für unseren Verband 113 BFD-Stellen anerkannt."

In der Regel steige die Nachfrage nach Abschluss der Abiturprüfungen sowie nach Schulende im Sommer an, "so dass wir davon ausgehen, dass zum 1. September nochmals Stellen besetzt werden können". Die Freiwilligen werden bei der Caritas in den bereichen Betreuung, Pflege, sozialer Dienst, Verwaltung, Haustechnik, Gartenpflege, Fahrdienst sowie Küche eingesetzt. Bei den Abbrechern sind es auch hier die selben Beweggründe, wie anderswo: Der Beginn einer Ausbildung oder die Aufnahme eines Studiums. "Von Seiten des Verbandes gibt es in Einzelfällen Kündigungen während der Probezeit aufgrund von beispielsweise Unzuverlässigkeit der Freiwilligendienstler", führt Hans Werner Reisdorf aus.

Bufdis beschäftigt DRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Lenz in seinen Teams nicht, sehr wohl aber FSJler. Einmal sei es in den vergangenen Jahren vorgekommen, dass ein Freiwilliger vorzeitig ging. "Im Gegenteil, die meisten bleiben sogar gerne länger", sagt Lenz. Zehn Plätze stünden beim DRK zur Verfügung. Derzeit seien vier vakant, "es gibt nicht genügend Bewerber". Deshalb sagt Lenz stellvertretend für alle Bufdi-Arbeitgeber: "Wir freuen uns über Bewerbungen."

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