Grevenbroich: Jecke Kappen von den Näh-Schwestern

Grevenbroich: Jecke Kappen von den Näh-Schwestern

Michaela Menzel und Birgit Felsch haben die Liebe zu Nadel und Faden quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Vor fünf Jahren machten sich die Schwestern selbstständig. Sie fertigen individuell, der Renner sind zurzeit Karnevalskappen.

Die erste Karnevalskappe zu nähen, brauchte vier Stunden. Inzwischen hat Birgit Felsch diese Aufgabe in zwei Stunden erledigt. Wobei das Wichtigste das Maßnehmen ist. "Denn alle Kappen werden individuell gefertigt", erklärt die 49-Jährige. Die Individualität bezieht sich nicht allein auf die Größe der närrischen Kopfbedeckung, sondern auch auf die Ausgestaltung - wie das Beispiel für die NGZ zeigt.

Die Schwestern träumen vom eigenen Stoffgeschäft mit Näh-Café - hier als Puppenstube. Foto: Valeska von Dolega

Zusammen mit ihrer Schwester Michaela Menzel bildet sie das Schneiderduo "Memi & Febi". Vor fünf Jahren machten sich die beiden selbstständig. "Von meinen damals letzten 20 Euro im Portemonnaie habe ich den dafür notwendigen Gewerbeschein bezahlt", erinnert sie sich. Die Liebe zu Nadel und Faden ist den Schwestern quasi in die Wiege gelegt worden, "unsere Mutter hat schon gerne geschneidert". Und auch, wenn Birgit Felsch zehnjährig das Hobby für sich entdeckte und immer begeistert ausübte, dauerte es seine Zeit, ehe sie darin ihren Beruf als Berufung erkannte.

Teddy Gwendolyn begleitet zu Workshops in Kliniken. Foto: von dolega

"Nach der Schule habe ich ganz viel anderes gemacht", erinnert sie sich an das Ende an der Maximilian-Kolbe-Schule in Neuss, als sie als Frühstücksköchin Richtung Frieseninsel Langeoog zog, später in Wiesbaden Tochter Kathrin bekam und zurück nach NRW ging. Am Theater in Gelsenkirchen landete sie in der Kostümabteilung - "ein Traum, da ging ich täglich mit einem Grinsen im Gesicht hin". Und ihr wurde deutlich, dass die Schneiderei absolut ihr Ding ist. "So kreativ zu sein ist wunderbar", sagt sie.

Foto: Valeska von Dolega

"Ich nähe alles außer Leder und Pelz", umschreibt Birgit Felsch das weite Feld dessen, was aus der Memi-und-Febi-Stube kommt. Die Auftragsbücher sind voll, freuen sich die Schwestern, Kinderbekleidung, Taschen und immer wieder Stofftiere stehen auf ihrer Nähliste. Auf die Idee mit den Karnevalskappen kamen die zwei kurz vor Weihnachten, "da hatte ich mir mal selbst frei gegeben", sagt Birgit Felsch lachend, "und nachgedacht, was wir noch kreieren könnten". In der Kreativstube entlang von verschiedenen Nähmaschinen und Stoffproben wurde experimentiert. "Manches bei diesen Experimenten ist auch TfT", sagen die Näh-Schwestern, das ist dann ein "Teil für die Tonne".

Gearbeitet wird aber nicht nur selbst an den Maschinen. "Wir erteilen auch Workshops und Kurse", in denen Kinder ebenso wie erwachsene von der Pike auf diese Handarbeit kennen und erlernen können. Für die sogenannten Fortgeschrittene gibt es Ergänzungskurse. Diese Kurse werden nicht nur in Kapellen erteilt, für die sogenannten Teddy-Kurse reisen die Schwestern, gehen in Kliniken und Sanatorien. Wichtigster Begleiter dabei ist "Gwendolyn", ein Knuddeltier. Das Stofftier wird nicht nur nachgeschneidert, ihm vertrauen viele ihren Kummer an. Vor Ort werden die weitgehend von Memi-und-Febi gefertigten Tiere dann vollendet. "Als Innenleben gibt es immer ein großes Stoffstück im Herzformat." Viele Schicksale haben sie so begleitet, was "nicht immer ganz leicht ist". Aber beide wollen von ihrem Glück auch gerne etwas an andere geben.

"Ein eigenes Stoffgeschäft mit einem Näh-Café, das wäre schön", sagen beide laut, wovon sie sonst nur träumen. Als Puppenstuben existiert die Idee bereits.

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