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Interview Heinz-Peter Korte, Vorsitzender Stadtsportverband Grevenbroich

Heinz-Peter Korte, Vorsitzender des SSV Grevenbroich : „Ich verspüre eine große Erleichterung“

Der Vorsitzende des Stadtsportverbandes äußert sich anlässlich der Lockerungen auch im heimischen Sport zur Lage der Grevenbroicher Vereine. In einer Hinsicht sind sie besonders stark betroffen.

Wegen der stetig fallenden Inzidenzzahlen im Land Nordrhein-Westfalen und im Rhein-Kreis Neuss hat auch der Sport in Grevenbroich mit dem Eintritt in die Stufe 1 der neuen Corona-Schutzverordnung am vergangenen Freitag den nächsten Schritt zurück zur Normalität gemacht. Was das für die Vereine und die Sportler in der Stadt bedeutet und wie sie bisher durch die Krise gekommen sind, darüber sprach unsere Redaktion mit Heinz-Peter Korte in seiner Funktion als Vorsitzender des Stadtsportverbandes Grevenbroich (SSV).

Herr Korte, wie ist Ihre Gemütslage angesichts der sinkenden Inzidenzzahlen und der damit verbundenen Lockerungen im Sport?

Heinz-Peter Korte Ich verspüre eine große Erleichterung. Gerade im Kinderbereich gab es eine große Ungeduld, seit 14 Tagen steht bei mir das Telefon nicht still, und es gab immer wieder die Frage, wann es endlich wieder losgeht. Die Freude ist einfach groß, dass wieder Sport getrieben werden kann und jetzt auch noch die Tests wegfallen. Das Thema Nachverfolgbarkeit ist da im Vergleich eine Kleinigkeit.

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Wie hat der Stadtsportverband Grevenbroich die Vereine während der Pandemie begleitet und unterstützt?

Korte Zunächst haben wir alle Informationen, die uns zum Thema Corona-Schutzverordnung erreicht haben, an die Vereine weitergegeben. Zudem haben wir uns bemüht, für Klarheit zu sorgen, wo es Widersprüche gab. Und davon gab es einige, weil die Vorgaben des Landes von den einzelnen Kommunen teils unterschiedlich ausgelegt wurden. Da kamen dann schon mal Anfragen, wieso in Grevenbroich zum Beispiel Schwimmen und Tennisdoppel nicht möglich waren, in anderen Kommunen des Kreises dagegen schon. Da war die Kommunikation der Stadt anfangs nicht so gut, doch da muss ich das Sportamt loben, das hat sich in letzten Wochen stark verbessert.

Ähnlich wie in Neuss hat der Stadtsportverband im Februar im Zusammenhang mit Corona eine Umfrage unter den Vereinen gestartet. Was hat die größten Probleme bereitet?

Korte Zum einen waren das der Mitgliederschwund und damit verbundene Mindereinnahmen, zum anderen die Umsetzung der Hygienekonzepte. In Grevenbroich musste jeder Verein, der eine öffentliche Sportstätte nutzt, ein solches Konzept vorlegen, dass dann genehmigt werden musste. Das hat zu einer gewissen Überforderung geführt, viele Vereine fühlten sich alleine gelassen. Sie hätten es besser gefunden, wenn die Verwaltung entsprechende Vorgaben gemacht hätte. So gab es Unterschiede, die etwa dazu führten, dass eine Fußballmannschaft, als noch gespielt werden durfte, zur anderen kam und dort andere Regeln vorfand als auf der eigenen Anlage.

Und wie stark ist die Betroffenheit beim Mitgliederschwund?

Korte Da haben kleinere Dorfvereine einen Vorteil, weil die Bindung stärker ist, da gab es nur die normalen Abgänge. Ein Großverein mit Kurssystem ist da schon deutlich stärker betroffen. Uns wurde berichtet, dass es beispielsweise im Mutter-Kind-Bereich Rückgänge um 15 Prozent gab, auch bei Angeboten im Wasser hat sich die Pandemie stark bemerkbar gemacht. Einnahmerückgänge von bis zu 30 Prozent wurden uns berichtet. Kleinen und großen Vereinen gemein ist die Problematik, dass Anfang des neuen Jahres keine neuen Mitglieder hinzukamen.

Gab es weitere wichtige Erkenntnisse aus der Umfrage?

Korte Die Vereine hätten sich teils eine bessere Zusammenarbeit mit der Stadt gewünscht, vor allem fehlten ihnen die Perspektiven, auch für die Zeit nach der Pandemie. Dass es also einen Plan B nach dem Motto „Sollten bestimmte Entwicklungen eintreten, sind folgende Dinge wieder möglich“ gibt. Wobei es zweifelsohne auch für die Verwaltung schwer war, weil die Landesverordnungen oft erst freitags eintrafen und ganz kurzfristig für die Stadt umgesetzt werden mussten.

Was muss getan werden, um die Rückkehr zur Normalität zu unterstützen?

Korte Zuvorderst ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass weiter die Hygieneregeln eingehalten werden müssen, damit wir die zurückgewonnen Freiheiten nicht riskieren. Ich habe keine Lust, wieder in Stufe 2 oder 3 zurückzufallen, weil sich Vereine und Sportler zu sorglos geben. Zudem kommt jetzt die Phase, in der die nächste Saison vorbereitet wird. Deswegen wäre es sehr hilfreich, wenn auch in Grevenbroich, wie in anderen Kommunen des Kreises, während der Sommerferien Hallen und Außenanlagen zur Verfügung stünden.

Was können alle Beteiligten aus dem bisherigen Verlauf der Pandemie lernen?

Korte Sollte es noch mal eine weitere Welle geben, sollten wir Dinge schneller und besser umsetzen. Der Kontakt zwischen Verwaltung und Vereinen sollte besser laufen, wobei dann auch viel aus der Schublade gezogen werden kann. Die Ergebnisse unsere Umfrage haben wir weitergegeben und auch im jüngsten Sportausschuss vorgetragen. Die werden bestimmt nicht einfach zu den Akten gelegt, sondern auch positive Konsequenzen haben.

Gab es auch positive Aspekte für den Sport in der Pandemie?

Korte Wenn dann den, dass die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft noch mal sehr deutlich wurde. Wenn ich im Bend unterwegs war, habe ich so viele Menschen wie noch nie zuvor gesehen, die nach draußen gedrängt sind, um sich zu bewegen. Deswegen versucht der SSV auch das Projekt „Sport im Park“ nach vorne zu bringen. Da können ohne Anmeldung verschiedene Sportarten ausprobiert werden. In Neuss und Dormagen gibt‘s das schon. Wir sind zuversichtlich, dass wir in Grevenbroich nach den Sommerferien beginnen können.