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In Grevenbroich gehen die Jäger mit Habicht und Hund auf Beizjagd

Beizjagd in Grevenbroich : Ein Habicht jagt die Elsbachtal-Kaninchen

Die Jagdgenossenschaft stellt den Erhalt des Wildbestandes im Elsbachtal sicher. Als Alternative zum Jagdgewehr nutzen sie die sogenannte Beizjagd, bei der Jäger, Jagdhund und Greifvogel zusammenarbeiten.

In dem Land-Art-Projekt „Entwicklungsfelder“ im Elsbachtal entwickelt sich aktuell vor allem eines: die freie Natur. Die Flora sprießt wild, die Gräser sind kniehoch und bieten ein optimales Versteck für Wildtiere. In die Hügel graben Kaninchen ihre Bauten, finden Schutz und gebären dort den Nachwuchs. Potentiell ist das Gebiet eine Brutstätte für eine große Kaninchenpopulation. Dagegen wirkt allerdings die Jagdgenossenschaft. Zu ihren Aufgaben gehört der Erhalt eines gesunden Wildbestandes.

Der Jagdpächter des 640 Hektar großen Reviers um das Elsbachtal, das Elsen, Elfgen, Laach und Frimmersdorf-West umfasst, ist Peter Wingerath. Gemeinsam mit weiteren Jägern hält er den Wildtierbestand im Blick, verhindert Überpopulation wie Überjagung. Bei der Jagdpacht gilt das Verursacherprinzip: Für wirtschaftliche Schäden, beispielsweise an landwirtschaftlichen Flächen, muss der Pächter zahlen. Große Kaninchenpopulationen etwa können enorme Fraßschäden auf Feldern verursachen oder mit ihren Bauten große Gebiete unterhöhlen und so beschädigen. Beides halte sich in dem Revier in Grenzen, berichtet Wingerath. Grund hierfür sei die gezielte Bejagung des Wildes.

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Und dass Jagen nicht immer mit Schrot- oder Kleinkalibergewehren einhergeht, zeigen Lukas Zimmermann und Florian Kopp. Die Hobby-Jäger gehen ohne Gewehr, aber mit Habicht und Hund auf Beizjagd. Dabei handelt es sich um eine alternative Bejagungsmöglichkeit, die in befriedeten Bereichen, etwa Friedhöfen oder Parkanlagen, angewandt wird – doch nicht ausschließlich dort. Auch im Elsbachtal greift die Jagdgenossenschaft auf die Beizjagd zurück um die Kaninchenpopulation zu regulieren.

 Falkner Florian Kopp mit seinem Habicht Acci sowie Lukas Zimmermann mit seiner Deutsch-Drahthaar-Hündin Frida gehen im Elsbachtal auf Beizjagd.
Falkner Florian Kopp mit seinem Habicht Acci sowie Lukas Zimmermann mit seiner Deutsch-Drahthaar-Hündin Frida gehen im Elsbachtal auf Beizjagd. Foto: Dieter Staniek

Die Protagonisten der Jagd sind Frida und Acci. Frida ist eine zweijährige Deutsch-Drahthaar-Hündin. Sie hat kürzlich ihre Anlageprüfungen bestanden und ist jetzt offiziell als Jagdhund zugelassen, erklärt Herrchen Lukas Zimmermann. Wichtig sind sicherer Gehorsam und Abrufbarkeit sowie die Fähigkeiten zu wittern und zu apportieren. Jagdkompanin Acci ist ein zehnjähriges Habichtweibchen von Falkner Florian Kopp. Der Habicht wird bis zu dreißig Jahre alt und kehrt auf Kommando zum Falkner zurück. Aktuell gewöhnen sich die zwei so unterschiedlichen Tiere aneinander. Das ist nötig, denn die Beizjagd ist eine Teamarbeit von Hund und Vogel. Die Tiere sind Jagdgenossen, keine Konkurrenten.

Die Aufgaben sind klar verteilt: Jäger und Hund durchstreifen das Jagdgebiet, Falkner und Habicht stehen auf erhöhter Position und beobachten das Geschehen. Der Hund wittert das Kaninchen, nähert sich diesem und erstarrt dann, ein Vorderbein leicht angehoben. Der Jäger erkennt das Zeichen seines Hundes: Ein Kaninchen ist nah. Er schreckt das Wild auf, der Habicht sieht das Kaninchen springen und startet zum Beuteflug. „Jetzt stehen die Chancen 50:50“, erklärt Falkner Kopp. Es gelten die Regeln der freien Natur: Schnelle, starke oder erfahrene Tiere überleben, die Schwachen werden vom Vogel geschlagen.

„Der Vogel macht das, was er in der freien Wildbahn auch machen würde“, erklärt der Falkner. Acci ist Kopps erster Habicht, vorher hatte er andere Greifvögel für die Jagd. Ehrenamtlich übt das Duo die Beizjagd in Düsseldorf und Ratingen aus. Zudem kümmert sich Kopp für den Nabu um verletzte Vögel. Die Jagd mit dem Habicht hält er für „die natürlichste Art, die es gibt“. Zudem gehe dabei keine Gefahr durch verschossene oder abprallende Kugeln aus. Auch Zimmermann zeigt Vorteile der Methode auf: „So werden keine Tiere krank geschossen“, erklärt er. Denn: „Uns ist ist ganz wichtig, dass die Tiere nicht leiden – das ist weidmännisch.“