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In der Tagebau-Kfz-Werkstatt in Grevenbroich werden 1200 Fahrzeuge repariert und gewartet.

Serie: Menschen im Revier : Ein „Paradies“ für Schrauber

In der Kfz-Werkstatt im Tagebau Garzweiler hat René Soverlé seinen Traumjob gefunden.

Eigentlich lebt René Soverlé seinen Traum: „Ich konnte mein Hobby zu meinem Beruf machen“, sagt der 35-Jährige. Er ist Gruppenleiter in der Kfz-Werkstatt im Tagebau Garzweiler. Reparieren und Schrauben, das sei schon als Kind seine Leidenschaft gewesen, erinnert sich der gebürtige Kölner mit belgischen Wurzeln. Aber er gibt auch zu, dass sich bei aller Zufriedenheit mit seinem Job auch immer mehr Wehmut und sogar Angst vor dem nun wohl doch näher rückenden Kohleende einstellen.

Als er vor elf Jahren bei RWE angefangen habe, sei die Frage des Kohleausstieges nur etwas Nebulöses gewesen: „Man wusste, dass es irgendwann zu Ende geht, aber man hat gedacht, dass man es selbst auf jeden Fall noch bis zur Rente bei RWE schafft“, sagt Soverlé und gibt mit großer Betroffenheit zu: „Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz. Und wenn wir im Kollegenkreis sprechen, dann ist eine sehr große Sorge zu spüren.“ Ganz besonders angerührt habe ihn auch die Frage seines elfjährigen Sohnes: „Papa, wirst du jetzt arbeitslos?“

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Der Kfz-Mechaniker macht sich auch Gedanken, was über die unmittelbar betroffenen RWE-Beschäftigten, die möglicherweise in absehbarer Zeit ihre Arbeitsplätze verlieren könnten, hinaus mit der Region passieren könnte: „Wenn ich meine Arbeit verliere, kann ich mir vieles nicht mehr leisten. Und das wird den anderen auch so ergehen“, sagt er und zählt Beispiele vom Sportstudio bis zum Supermarkt auf, die den Wertschöpfungs- und Kaufkraftverlust zu spüren bekommen werden.

Doch René Soverlé, der sich in seiner Freizeit gerne mit Laufen, Radfahren und Rückentraining auch für seinen Beruf fit hält, will sich von seiner Sorge um den Arbeitsplatz nicht unterkriegen lassen. Ganz im Gegenteil: Er hat die Zusage, am 29. August mit der Meisterschule beginnen zu können. Und darauf freut er sich, hofft der Gruppenleiter von immerhin 14 Beschäftigten in der Kfz-Werkstatt doch darauf, bei RWE trotz aller Unkenrufe über ein baldiges Kohleende noch weiter Karriere machen zu können. Denn Soverlé brennt für seinen Beruf: Das ist ihm anzumerken.

Dabei sind an die Kfz-Fachleute im Tagebau ganz andere Anforderungen gestellt, als sie Soverlé beispielweise in seiner Ausbildungswerkstatt in Kerpen erlebt hatte. Da befand er sich aus heutiger Sicht in einer regelrechten „Komfortzone“, wenn er nur Luxus-BMW zu warten hatte. „Wir haben hier ganz andere Schäden an den Fahrzeugen, weil die auch ganz anderen Belastungen ausgesetzt sind als im normalen Straßenverkehr“, verdeutlicht er. Dabei sei ein ganz großes Thema die Verschmutzung der Fahrzeuge im Tagebau durch Sand und Schlamm: „Unter jedem Wagen aus dem Tagebau sammelt sich eine Schubkarre voller Dreck an“, berichtet Soverlé.

Und nicht selten werden er und seine Kollegen auch zu einer Art von werkseigenem ADAC, wenn mal wieder ein Fahrzeug im unwegigen Tagebaugelände schlichtweg stecken geblieben ist: „Wir bekommen dann zum Beispiel einen Notruf: ‚Es hat geknallt, und jetzt stecke ich fest.’ Und dann machen wir uns auf den Weg in den Tagebau und graben die Fahrzeuge erst mal wieder aus, bevor wir es in die Werkstatt schleppen können“, berichtet Soverlé aus seiner Praxis, die nebenbei auch  fahrerisches Können mit den Allradwagen verlangt, in einem Gelände, wo sich „normale“ Fahrer ohne Offroad-Erfahrung nicht hintrauen würden.

In Früh- und Spätschichten an den Wochentagen sowie in Wochenend- und Feiertagsschichten sorgen Soverlé und seine Kollegen in der Kfz-Werkstatt dafür, dass der Kohleabbau ohne Stopp laufen kann. In den Auftragsbüchern der Kfz-Werkstatt stehen pro Werktag durchschnittlich 25 „Neuzugänge“ verzeichnet.

Vom kleinen VW, der für den Werksverkehr an den Kraftwerken benutzt wird, bis hin zu den großen Unimog wird alles repariert und gewartet sowie immer wieder fit gemacht für den TÜV, der jeden Donnerstag zur Fahrzeugabnahme in die Tagebau-Werkstatt nach Gustorf kommt. Und was dort auf die Hebebühne gelangt, lässt das Herz eines passionierten „Schraubers“ wie René Soverlé aus einem besondere Grund oft höher schlagen. Denn anders als in „normalen“ Kfz-Werkstätten außerhalb haben die Mechaniker bei RWE immer mal wieder die Möglichkeit, mit Teilen aus nicht mehr komplett tauglichen Geländewagen wieder ein vollständig fast schon neues Fahrzeug zusammen zu bauen. Deshalb sei diese Werkstatt auch besonders gut für die Ausbildung geeignet: „Bei uns gibt es eine Vielfalt wie kaum sonst irgendwo“, ist sich René Soverlé sicher. Davon partizipiere auch der RWE-Ausbildungsnachwschs.