Grevenbroich: Immer mehr Senioren in der Armutsfalle

Grevenbroich : Immer mehr Senioren in der Armutsfalle

In Grevenbroich gibt es immer mehr Senioren, die Grundsicherung im Alter beziehen. Auch wer lange Jahre gearbeitet hat, kommt oft mit der Rente nicht aus. Bei der "Existenzhilfe" ist der steigende Bedarf zunehmend spürbar.

Immer mehr Senioren in der Schlossstadt kommen mit ihrer Rente nicht aus und sind auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Das bestätigt Siegfried Henkel, Leiter des Sozialamtes im Rhein-Kreis Neuss. "Die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen", sagt er. Stadtsprecher Andreas Sterken spricht ebenfalls von einer Zunahme. In Grevenbroich beziehen derzeit 337 Menschen über 65 Jahre die Grundsicherung im Alter, 159 davon leben allein. Rund 59 Prozent von ihnen sind Frauen.

Das entspricht in etwa dem Anteil der Frauen an der Altersgruppe "Über 65" in der Schlossstadt. Zum Stichtag 31. Dezember 2012 waren es laut Statistischem Landesamt 7037 Frauen. Hinzu kamen 5303 Männer. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Der gestiegene Bedarf an Grundsicherung im Alter lässt sich beim Blick auf die Statistik erkennen: 2011 empfingen 2,6 Prozent mehr Menschen diese Leistung, 2012 stieg diese Zahl nochmals um 10,5 Prozent - und im vergangenen Jahr erneut um 3,6 Prozent auf jetzt 337 Menschen.

Dass immer mehr Senioren Hilfe brauchen, kann Wolfgang Norf, Geschäftsführer des Vereins "Existenzhilfe", bestätigen. "Anfangs war die Hemmschwelle besonders für Ältere sehr hoch. Sie trauten sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen", sagt Norf. Durch persönliche Kontakte konnte diese Zurückhaltung überwunden werden - auch wenn nicht jeder erkannt werden möchte, wenn er Brot oder Obst von der Tafel nach Hause trägt.

Es sind Menschen wie Anna Holstein (Name von der Redaktion geändert), die in die Armutsfalle geschlittert sind. Gearbeitet hat sie eigentlich immer. Nur für die Erziehung ihrer beiden Söhne und ihrer Tochter hat die Verkäuferin eine Berufspause eingelegt. Nach der Scheidung kümmerte sich die Grevenbroicherin alleine um die Familie - und steht jetzt als 70-Jährige vor der bitteren Erkenntnis: "Von meiner Rente bleibt nach Abzug der Miete nicht viel übrig. So sollte es im Alter nicht sein."

Anna Holstein ist kein Einzelfall. Auch Katharina Abich (74/Name ebenfalls geändert) ist froh, dass sie die Unterstützung der Tafel nutzen kann. Sie ist mit ihrer Familie aus Russland ausgewandert, hat in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Auch bei ihr reicht das Geld kaum für Miete, Lebensmittel und Pflegeartikel. Was sie besonders bedauert: "Dass ich meinen Enkeln nicht einfach mal etwas kaufen kann."

Siegfried Henkel geht davon aus, dass künftig noch mehr Personen von Altersarmut betroffen sein werden. "Zum einen wegen der demografischen Entwicklung, zum anderen, weil die Erwerbsbiografien nicht mehr lückenlos sind." Gerade bei Frauen gebe es oft Parallelen: Pausen für die Erziehung der Kinder, danach Teilzeitjobs, vielleicht noch eine Trennung - dies seien Entwicklungen, die Frauen im Alter verarmen ließen.

Nicht nur Angestellten drohe eine zu knappe Rente - auch Selbstständige seien betroffen, weiß Andreas Sterken: "Viele haben mit dem Verkauf ihres Ladens gerechnet, wollten davon im Alter leben." Oft scheitert dieser Plan. Das Geld für den Lebensabend ist dann knapp.

(NGZ)
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