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Grevenbroich: Immer mehr Kinder in Heimen

Grevenbroich : Immer mehr Kinder in Heimen

Die Stadt Grevenbroich muss deutlich mehr Geld für die Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen aufbringen. Immer mehr Familien haben Probleme, die durch ambulante Hilfen nicht zu lösen sind.

Eine Mutter, die ihre kleinen Kinder am Abend allein lässt. Eine Familie, deren Kühlschrank komplett leer ist. Nachwuchs, der in Schule oder Kindergarten als vernachlässigt auffällt – drei Beispiele, in denen die körperliche oder seelische Gesundheit von Kindern gefährdet ist. Drei Fälle, in denen der "Soziale Dienst" der Stadt Grevenbroich eingreifen muss. Immer öfter heißt die Konsequenz: Kinder und Jugendliche müssen in einer Pflegefamilie oder stationären Einrichtung aufgenommen werden. Der Ansatz im laufenden Etat von 2,9 Millionen Euro wird, so Fachdienstleiterin Sigrid Brings, um 200 000 Euro überschritten. Aber sie weiß schon jetzt: "Auch das wird vermutlich nicht reichen."

Sieben Fälle in einer Woche

Das Mittelzentrum Grevenbroich ist bei den explodierenden Heim-kosten keine Ausnahme. "Bundesweit nehmen die Fälle an Heimunterbringung zu. Die Kosten steigen", sagt Sigrid Brings. Ihre Erklärung: "Es gibt immer mehr Familien mit multiplen Problemen." Als Beispiele nennt sie Arbeitslosigkeit, Überforderung, Drogen- oder Alkoholsucht und psychische Krankheiten. Was das für die Kinder bedeutet: Sie erleben täglich den Mangel, ihnen fehlt Aufmerksamkeit, Liebe, Nahrung und Kleidung. Ein Teufelskreis. Denn viele Eltern, die heute ihre Kinder vernachlässigen, haben genau dies selbst in ihrer Kindheit erfahren.

Verdacht auf "Gefährdung des Kindswohles" heißt es im Amtsdeutsch. In einer Woche seien allein sieben solcher Fälle gemeldet worden, in denen Eltern sich nicht um ihren Nachwuchs gekümmert haben: "Das ist viel für eine Stadt mit rund 65 000 Einwohnern", meint die Fachdienstleiterin. Sieben Fälle, die ein Team von Experten einschätzen und recherchieren muss: "Nach Prüfung der Daten fällt oft schnell die Entscheidung, dass Mitarbeiter rausfahren und die Situation vor Ort überprüfen", erläutert Sigrid Brings.

Allgemein verfolge der Soziale Dienst das Ziel, Minderjährige in ihrer Familie zu lassen und alle Familienmitglieder mit einem ambulanten Hilfeplan zu unterstützen. "Kinder aus der Familie herauszunehmen, ist der letzte Schritt, aber manchmal unvermeidbar", so Brings. Für diese müssten dann schnell eine Pflegefamilie oder ein Platz in einem Heim gefunden werden. Allerdings ein Problem im Grevenbroich: "Es gibt insgesamt zu wenig Pflegefamilien."

Sigrid Brings ist überzeugt, dass Prävention nicht helfen wird, diese Probleme zu lösen. Und: "Manchmal reicht bereits der Umzug einer großen Familie – und die Kosten explodieren."

(NGZ)