Im Grevenbroicher Kloster Langwaden wurde die 15. Kreuzstation eingeweiht

Kloster Langwaden in Grevenbroich : Pater Abraham vollendet den Kreuzweg

Der Kunstschmied hat die 15 Stationen an der Mauer des Klosters Langwaden gefertigt. Nach der Totenvesper wurde sie eingeweiht.

Der Tod ist nicht das Ende, sondern eine Wende und der Beginn von etwas Neuem – dieser Grundsatz gehört zum christlichen Glauben und zur Auferstehung Jesu Christi als Fundament des Christentums. Im Kloster Langwaden findet dieser Urgrund jetzt als 15. Station des Kreuzweges eine visuelle Gestaltung. Das Projekt wurde durch Pater Abraham Fischer und Pater Bruno Robeck realisiert.

Die Idee einer 15. Kreuzwegstation sei schon seit über einem Jahr im Gespräch, erklärt Pater Bruno, Prior des Zisterzienserklosters. Zu seinem 50. Geburtstag im Juli hatte er sich die Realisation dann gewünscht und gleichsam über Spenden finanziert. Für die Gestaltung griff der Prior auf einen alten Bekannten zurück: Pater Abraham von der Klosterschmiede der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede. Der 53-Jährige hat bereits 2015 die Edelstahl-Tore des Kolumbariums gestaltet. Er ist Diplom Theologe sowie Metallbauer und Schmied auf dem zweitem Bildungsweg. 1988 trat er in das Kloster ein. Als Novize leistete er Hilfsarbeiten in einer Schmiede und fand schnell Gefallen an der Tätigkeit. 1994 begann Abraham Fischer seine Ausbildung und legte 2006 die Meisterprüfung ab.

„Als Metallgestalter entwickle ich die Lösung gemeinsam mit den Auftraggebern. Nur dann entsteht ein nachhaltiges Kunstwerk mit Spirit“, berichtet der Schmied über seine Arbeit. So entwarf er die Idee im mehrmonatigen Diskurs mit Pater Bruno. Die 15. Kreuzwegstation sei „nicht figürlich, sondern abstrakt ausgeführt, da die Auferstehung alles Fassbare übersteigt und am ehesten durch Abstraktion angedeutet werden kann“, erklärt der Prior. Die finale Station des Kreuzweges sollte eine Fortsetzung und gleichsam etwas radikal Neues sein.

Diese Aufgabe meisterte Pater Abraham. Das Design ist abstrakt, die verwendeten Materialien bekannt aus den vorausgehenden Stationen. Eine zerrissene Platte aus Cortenstahl steht für die Vergänglichkeit und die Entwicklung. Davor schwebt eine, die Vollkommenheit symbolisierende Scheibe aus Edelstahl. Sie ist kreuzförmig aufgerissen und wölbt sich den Menschen entgegen. Durch den Spalt schimmert hellblaues Titan – ein Blick in die Weite, das Wasser und den Himmel. Der stählerne Rahmen ist ebenfalls gesprengt. „Das Neue wirkt für uns oft fremd, unverständlich, vielleicht sogar chaotisch“, beschreibt Pater Bruno die Auferstehung und die 15. Kreuzstation. „Ich versuche mit der gestalterischen Sprache, den Glauben zu erzählen“, berichtet Kunstschmied Fischer. „Und es ist okay, wenn der Betrachter etwas anderes in dem Werk sieht als ich.“ Daher werde bewusst kein erklärendes Schild an die 15. Station gehängt. Sie soll Fragen aufwerfen, die der Besucher sich selbst oder den Gläubigen stellt.

Ebenfalls bewusst gewählt ist die Position der neuen Station. „Wir wollen nicht mit dem Tod abschließen, sondern mit einer Perspektive“, erklärt der Prior. Und dass die Station genau zwischen dem Kolumbarium und dem Kloster liegt, sei ebenfalls so gewollt: Die Auferstehung auf dem Weg in die Kapelle oder beim Verlassen selbiger.

Die Eröffnung und Einsegnung der 15. Kreuzstation legte der Orden auf den Tag der Totenvesper, immer der letzte Freitag im Oktober und somit gestern, 25. Oktober. Am Totentag wird im Kloster den Verstorbenen im Kollumbarium gedacht und alle Stelen gesegnet. Über 100 Angehörige besuchen jährlich den Gottesdienst und die im Anschluss abgehaltene Begegnung der Gemeinschaft.