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Grevenbroich: Im Club der wilden Dichter

Grevenbroich : Im Club der wilden Dichter

Der Orkener Ingo Bronneberg tritt heute bei einem Poetry-Slam-Wettbewerb im Café Kultus auf. Dort geht es um die Qualifikation zur NRW-Meisterschaft. Der 22-Jährige will Grevenbroich auf Landesebene vertreten.

Beim ersten Mal fragten die Nachbarn von Ingo Bronneberg dann doch, ob auch wirklich alles in Ordnung sei. Der 22-Jährige lief durch den Garten und rezitierte laut Gedichte. Doch es waren keine Schriften von Goethe oder Eichendorff, die Bronneberg da laut las, und es ging auch nicht um einen jungen Knaben und eine holde Maid, die sich unter einem Lindenbaum treffen, sondern um: Kaffee. Es war eines jener Gedichte, die der Orkener selbst schreibt. Ingo Bronneberg ist Slam Poet. So nennen sich junge Dichter, die sich zu Wettbewerben treffen und mit ihren Texten um die Gunst des Publikums buhlen. Heute tritt er ab 20 Uhr im Café Kultus, Ostwall 16, an — und möchte sich für die NRW-Meisterschaft qualifizieren.

Liebeserklärung an den Kaffee

Ob sein Text über Kaffee auch zu hören sein wird, möchte Bronneberg noch nicht verraten. "Ich habe mehrere Ordner voll mit Texten", sagt er. Daraus trifft er vor jedem Wettbewerb eine Auswahl. Eines ist den Texten aber gemein: Es dreht sich fast immer um Alltagsbeobachtungen. Das ist auch bei seiner Liebeserklärung an Kaffee der Fall. "Es ist an einem Morgen nach einer Party entstanden", sagt Bronneberg. "Da habe ich einen Kaffee getrunken und in diesem Moment war ich sicher: Es gibt nichts Besseres auf der Welt."

Seit drei Jahren nimmt der junge Dichter an Slam-Poetry-Wettbewerben teil. Er stand schon in Essen, Köln und im für die dort stattfindenden Wettbewerbe bekannten Club "Blue Shell" in Köln auf der Bühne. "Natürlich kommen in Städten wie Essen oder Köln mehr Leute", sagt Bronneberg. "Aber Grevenbroich ist immer etwas Besonderes, und das nicht nur, weil es meine Heimat ist."

"Ein bisschen durchgeknallt"

Es gibt zwei Gründe für dieses Besondere: Zum einen moderiert Ingo Bronnebergs Bruder Sven (26) die Wettbewerbe im Café Kultus. Dabei bleibt er aber so neutral, wie es ein Schiedsrichter bei einem Fußballspiel auch sein sollte. Der zweite Grund: Im Publikum sind oft Freunde und Bekannte von Ingo Bronneberg. Deren Meinung ist ihm wichtig. "Den meisten gefallen die Slam-Poetry-Wettbewerbe generell, weil die Texte immer lustig und auch ein bisschen durchgeknallt sind."

Gefallen haben Ingo Bronnebergs Texte auch den Nachbarn. Sie haben sich daran gewöhnt, dass er seine neuen Werke laut im Garten vorliest, um die richtige Betonung zu üben. "Ich komme mit meinen Nachbarn super aus", sagt Bronneberg — vielleicht auch, weil er sie mit Texten über Kaffee und Skurrilitäten bestens unterhält. Mit etwas Glück geht es bald zu den NRW-Meisterschaften.

(NGZ)