Grevenbroich: Im Chat mit Plagiatsjägern

Grevenbroich: Im Chat mit Plagiatsjägern

Die Dissertation des Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai (FDP) wird auf der Internet-Plattform "Vroniplag" auf Plagiate untersucht. Aber wer sind die Plagiatsucher und wie arbeiten sie? Eine Kontaktaufnahme.

Namen, Identitäten, das ganze "Wer ist hier eigentlich wer?" ist auf "Vroniplag" tatsächlich Schall und Rauch: Die Plagiatsjäger, die im Internet die Dissertation des Grevenbroicher Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai (FDP) auf Plagiate untersuchen, sind anonym unterwegs. "Ich kenne gar keine Namen", schreibt einer von ihnen auf Nachfrage. Er nennt sich "Hindemith". Seine Identität verbirgt er hinter diesem Pseudonym, das an den gleichnamigen Komponisten erinnert. Auch der Vroniplag-Hindemith beschäftigt sich mit Noten: fehlenden Fußnoten. Was aber ist die Motivation der Plagiatsjäger? Hindemith ist bereit, einen Einblick zu geben. "Ich kann aber nur für mich sprechen", stellt er klar.

Das Wort "Wir" ist schwierig in Zusammenhang mit Vroniplag. Die Plattform funktioniert wie eine Art Puzzle, bei dem jeder der an der Suche Beteiligten seine Fundstücke hinzufügt. Viel mehr Miteinander gibt es nicht. Bei der Plagiatsuche werden Programme genutzt, die Texte auf Ähnlichkeiten untersuchen. Gäbe man zum Beispiel das eingangs verwendete "Schall und Rauch" in Zusammenhang mit dem Wort "Namen" ein, würde man bei Goethe fündig: Das berühmte Sprichwort "Namen sind Schall und Rauch" stammt aus "Faust I".

Hindemith kam wie viele andere durch den Fall Guttenberg zur Plagiatsuche. Er habe selbst promoviert und sei früher im wissenschaftlichen Bereich tätig gewesen, teilt Hindemith mit. "Klares Denken ist wichtig in der Wissenschaft und in der Gesellschaft. Plagiate sind das Gegenteil", erklärt der Vroniplag-Nutzer.

  • Grevenbroich : Djir-Sarai weiter im Visier der "Doktorjäger"

Zusammen mit Gleichgesinnten geht er daher dem ungewöhnlichen Hobby nach. Aber wie viele Doktorjäger sind an Vroniplag beteiligt? "Es gibt viele Leute, die ein wenig beitragen, vielleicht einen wichtigen Hinweis geben und dann nichts mehr tun", meint Hindemith. "Es gibt auch einen härteren Kern, der gar nicht so groß ist. Schwer zu sagen — vielleicht 20 Leute."

Das Prüfen der Arbeiten sei keineswegs politisch motiviert. Allerdings fällt auf: Im Visier der Doktorjäger sind bislang ausschließlich Politiker aus dem schwarz-gelben Lager. "Wir suchen Plagiate, sonst nichts", stellt Hindemith klar. "Wenn da keine Plagiate sind, kann sie auch niemand aus politischen Gründen herbeizaubern." Man würde jedem Verdacht nachgehen — unabhängig von der Parteizugehörigkeit der Verdächtigen.

Bijan Djir-Sarai geriet Ende Mai in das Visier der Doktorjäger. Die Wortkombination "ex ante umweltgerechteren Technik" habe den Stein ins Rollen gebracht. Inzwischen wird die Dissertation des 34 Jahre alten Politikers aus Grevenbroich nicht nur von den Doktorjägern auf Vroniplag untersucht: Auch die Universität Köln, an der Djir-Sarai promovierte, beschäftigt sich mit der Doktorarbeit.

(NGZ)
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