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Grevenbroich: Ich war eine Dose

Grevenbroich : Ich war eine Dose

96 Prozent aller Getränkedosen in Deutschland werden unzählige Male wiederverwertet. Ein wichtiger Standort dafür ist Grevenbroich. Im "Erftwerk" der Firma Aleris werden jährlich 30 000 Tonnen Aluminium eingeschmolzen und anschließend bei "Hydro" weiterverarbeitet.

Sie ist sehr lange unterwegs gewesen. Von Asien aus legte sie völlig zerbeult tausende Kilometer zurück bis nach Grevenbroich. Hier angekommen, erhält die rot-weiße Getränkedose bei der Recyclingfirma Aleris und dem Aluminium-Konzern Hydro ein neues Gewand.

So wie der rot-weißen Getränkedose aus Asien geht es allein in Grevenbroich Milliarden von Behältnissen aus Aluminium. Die Stadt im Rhein-Kreis "ist ein wichtiger Recycling-Standort in Deutschland", sagt Roland Leder, Geschäftsführer der Aleris Recycling. Und 96 Prozent aller Getränkedosen in Deutschland werden unzählige Male wiederverwertet.

Allein im "Erftwerk" der amerikanischen Firma werden jährlich 30 000 Tonnen Getränkedosen aus Europa, Afrika und Asien eingeschmolzen. Angeliefert in gepressten Blöcken von knapp dreitausend Dosen werden sie im 700 bis 800 Grad heißen Ofen zu flüssigem Aluminium verarbeitet. Dieses wird anschließend beim Neusser Unternehmen "Alunorf", das zur Hälfte Hydro gehört, in große Barren gepresst.

Danach wird das blanke Aluminium gewalzt. Es entsteht ein langes Band, dass auf eine große Rolle mit mehreren Metern Durchmesser aufgewickelt wird. Während im Hydro-Konzern, einem der größten Aluminiumerzeuger und -verarbeiter weltweit, daraus unter anderem Bänder für Getränkedosendeckel und -laschen entstehen, stellt Alunorf aus dem recycelten Aluminium Bänder für Dosenkörper her. Die Rollen werden zur Weiterverarbeitung an einen Dosenhersteller gegeben. Dort erhält die einstmals rot-weiße Dose, die mit anderen verschmolzen ist, ein neues Gewand — womöglich erneut in rot-weiß — und wird wieder in die Welt ausgeliefert.

Die Dose besteht jedoch noch nicht allzu lange aus Aluminium. Erst seit wenigen Jahren hat die Industrie den großen Vorteil des Materials für die Dosenherstellung entdeckt. Bis vor rund fünf Jahren bestanden die Getränkebehälter zum Großteil aus dünnem Stahlblech. "Doch Aluminium ist leitfähiger und somit schneller zu kühlen, energieeffizienter und vor allem leichter", erläutert Michael Peter Steffen, Sprecher von Hydro. "Während die ersten Dosen in den 30er Jahren rund 100 Gramm und in den 50er Jahren 80 Gramm wogen, hat eine Aluminium-Dose (0,5 Liter) heute ein Gewicht von nur 16 Gramm."

Von den Stahldosen sind jedoch noch rund ein Viertel auf dem Markt, sagt Hans-Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Deutschen Verpackung Recycling GmbH. Ihren großen Einbruch erlebte die Getränkedose jedoch 2006 mit der Einführung des Dosenpfands. "Doch davon hat sich die Dose schnell erholt", sagt Schmidt. "Gerade bei Ereignissen wie der Fußball-Europameisterschaft wird sie besonders stark gefragt sein" — sowohl mit alkoholischem Inhalt als auch in rot-weißem Gewand.

(NGZ/rl/url)