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i-Dötzchen 2018 - Grevenbroich diskutiert über Schulbildung

Grevenbroich : Schulkinder fit für die Zukunft machen

Schüler müssen sehr gut ausgebildet sein, um später lukrative Jobs zu ergattern. Lokalpolitiker und Lehrer fordern umfassendere und nachhaltigere Konzepte, die Bildung für alle ermöglichen – ohne über einen Kamm zu scheren.

Die Sommerferien stehen vor der Tür. In sieben Wochen laufen dann die neuen I-Dötzchen mit ihren viel zu großen Schultaschen voller Stolz zu ihren ersten Schulstunden. Doch die Last, die die Kleinsten auf ihren Schultern tragen müssen, stammt nicht von den Schulbüchern: Hohe Erwartungen von Eltern, Schule und Politik werden an das „gesellschaftliche Kapital“ der Zukunft gestellt.

Während Kinder früher bis 13 Uhr die Schulbank drückten und nach den Hausaufgaben ihre Freizeit mit Freunden auf dem Spielplatz verbrachten, ist ihr Tag heute weitestgehend durchgetaktet: Die Schule endet dank G8 erst in den späten Nachmittagsstunden, danach folgt eventuell der Klavierunterricht oder das Training im Fußballverein. Eine gute und umfassende Ausbildung ist der Grundpfeiler einer erfolgreichen beruflichen Karriere. Eltern geben alles, um ihren Kindern diese zu ermöglichen. Der Gedanke kommt nicht von ungefähr: „Da wir in Deutschland keine natürlichen Ressourcen wie Öl haben, müssen wir in die Köpfe investieren. Unser Rohstoff ist quasi das Hirn der Menschen“, sagt Daniel Rickert (SPD).

Da Kinder den Großteil der Zeit in der Schule verbringen, wird da vor allem den Lehrern eine große Aufgabe zuteil. „Sie müssen gute Wegbegleiter der Kinder sein, sodass sie qualifiziert auf ein Leben nach der Schule vorbereitet werden“, sagt Markus Schumacher (FDP). Die akademische wird so durch eine pädagogische Komponente ergänzt. So zähle eben auch die Vermittlung von Werten wie Solidarität und Respekt zu den Aufgaben der Lehrer, sagt Rickert. Dafür müsse den Lehrern wiederum aber mehr Zeit eingeräumt werden, meint Wolfgang Kaiser (CDU). Er vermute außerdem, dass Lehrer in ihrem Studium darauf nicht ausreichend vorbereitet werden.

Neben dem wissenschaftlichen Studium absolvieren Lehrer aber heute zahlreiche Praktika und haben im Anschluss ein anderthalbjähriges Referendariat. „Im Normalfall sind Lehrer darauf vorbereitet“, sagt Manfred Schauf, Schulleiter des Pascal-Gymnasiums. Ein Knackpunkt liege aber im Bereich der Inklusion, da viele Lehrer keine sonderpädagogische Ausbildung haben. Die Frage, die sich stelle sei, welche Unterstützung das System brauche, damit die Lehrer ihrem eigentlichen Kerngeschäft „Unterrichten“ in ausreichendem Maße nachgehen können, sagt Ruth Hennen, Schulleiterin der Erich-Kästner-Schule. „Die Schule wird vor immer mehr Herausforderungen gestellt. Eltern haben beispielsweise oft keine Vorstellung davon, welche Medien ihre Kinder konsumieren“. Deshalb sei es die Aufgabe der Lehrer, ihnen einen reflektierten Konsum anzueignen. Denn die Ausbildung unserer Kinder sei gleichzeitig das Kapital für unsere eigene Zukunft.

Die Kommunalpolitik sieht sich dabei in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu zähle Rickert zum Beispiel die Errichtung von Gebäuden oder eine umfassende Digitalisierung. Die Ausgestaltung liege nach Schumacher dann bei Eltern, Lehrern und Schülern.

Während Politik, Schule und auch Gesellschaft darüber diskutieren, welchen Stellenwert Bildung hat und wie die Kleinsten bestmöglich unsere gesellschaftliche Zukunft sichern, kommt dabei einer zu kurz: das Kind selbst. „Es darf nicht in einer Bildungsmaschinerie gehalten werden“, sagt Martina Suermann (Mein Grevenbroich). Es sei ein politischer Fehler zu glauben, dass alle Kinder gleich werden müssen.