Grevenbroich: "Honorarkonsul" als Räuber vor Gericht

Grevenbroich : "Honorarkonsul" als Räuber vor Gericht

Ein 47 Jahre alter Grevenbroicher muss sich voraussichtlich im Herbst wegen schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten. Er soll die Commerzbank überfallen und kurz darauf Urlaub in Afrika gemacht haben.

Er wurde "Honorarkonsul" genannt und war aktiver Schütze im Grevenbroicher Regiment: Der 47-Jährige gehörte zu den bekannten Persönlichkeiten in der Stadt. Das wird auch in Zukunft so sein: Der Mann muss sich bald als mutmaßlicher Bankräuber vor dem Landgericht verantworten.

Foto: Staniek, Dieter

"Der Angeklagte soll Ende Juni die Filiale der Commerzbank an der Karl-Oberbach-Straße in Grevenbroich überfallen haben", sagt Annette Webler, Sprecherin des Landgerichts Mönchengladbach: "Die Anklage lautet auf schwere räuberische Erpressung." Die Vorwürfe gegen den Mann, der sich in der Vergangenheit als Vereinsvorsitzender für Menschen in Afrika einsetzte, wiegen schwer. So soll er sich mit einer Mütze und einem Schal maskiert haben, um anschließend mit einer Gaspistole in der Hand die Bank zu betreten.

Mit 15 000 Euro geflüchtet

"Dort hat er sich laut Anklage in mehreren Schritten insgesamt 15 000 Euro auszahlen lassen", erläutert Annette Webler: "Danach ist er geflüchtet." Die Tat am helllichten Tag hatte in Grevenbroich Ende Juni für großes Aufsehen gesorgt: Starke Polizeikräfte hatten die Verfolgung aufgenommen, Zeugen hatten beobachtet, wie der Täter mit einem Fahrrad geflüchtet war. Obwohl auch ein Polizei-Hubschrauber an der Fahndung beteiligt war und lange Zeit über dem Grevenbroicher Stadtgebiet kreiste, konnte der Bankräuber zunächst unerkannt entkommen.

Nach seiner Flucht soll der 47-Jährige erst einmal Urlaub in Afrika gemacht haben. Als er später Mitte Juli auf dem Flughafen in Brüssel wieder nach Europa zurückkehrte, klickten die Handschellen. Die Polizei hatte zwischenzeitlich nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Wohnung des "Honorarkonsuls" durchsucht. Dort fanden die Ermittler auch die Kleidung, die er nach Zeugenaussagen auch beim Überfall getragen hatte. Ende Juli wurde er an der deutsch-belgischen Grenze der Polizei übergeben, seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Tatmotiv ist noch unklar

Ob der Grevenbroicher zum Tatzeitpunkt erhebliche Schulden hatte oder ob er sich schlichtweg einen Urlaub in Afrika finanzieren wollte, ist derzeit noch unklar. Laut Ermittlungen gilt der 47-Jährige als geständig, im anstehenden Prozess bekommt er ausreichend Gelegenheit, sich zu seinen Motiven zu äußern. "Ein Prozesstermin steht noch nicht fest", so Gerichtssprecherin Annette Webler. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass das Verfahren noch im Herbst beginnt. Sollte der Grevenbroicher vor der zuständigen Strafkammer am Landgericht wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt werden, muss er mit mindestens drei Jahren Gefängnis rechnen.

(NGZ/rl)