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Grevenbroich: Hoffnung fürs alte Pastorat

Grevenbroich : Hoffnung fürs alte Pastorat

Für Experten steht fest: Das alte Pastorat gehört zu den Top-10-Denkmälern im Rhein-Kreis. Jetzt haben die Wevelinghovener große Hoffnung, dass das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert bald saniert wird.

Wann das Gebäude im Schatten von St. Martinus errichtet wurde, ist unbekannt. "Vermutlich war das 1653", meint Helmut Coenen vom Kirchenvorstand und deutet auf eine Verzierung über dem Kamin. Dort ist diese Jahreszahl in Stein verewigt worden.

"Das Pastorat zählt damit zu den ältesten Gebäuden im Stadtgebiet", erklärt der Wevelinghovener: "Und auch im Rhein-Kreis ist es so etwas wie eine Rarität. Denn Gebäude aus Stein waren in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht üblich. Damals wurden hauptsächlich Fachwerkhäuser errichtet."

Der Zahn der Zeit hat mächtig am Pastorat genagt, das ist deutlich zu sehen. Die Risse im Mauerwerk sind so groß, dass das Gebäude zur Erft hin schon mit dicken Balken abgestützt werden musste. Eine Sanierung war bisher aus Kostengründen nicht möglich.

Doch viele Wevelinghovener hoffen nun, dass sich dafür bald eine Chance ergibt. "Die Augustiner aus Neuss wollen im nächsten Jahr mit dem Bau eines Seniorenhauses beginnen, dafür muss unser Pfarrzentrum am Klosterweg weichen", erläutert Coenen. Ein neuer Treffpunkt soll dann rund um das denkmalgeschützte Pastorat entstehen. Gespräche mit dem Erzbistum Köln laufen.

Das 20 Meter lange Haus ist aber nicht nur architektonisch interessant. Helmut Coenen und Theo Hoer vom Verein "Historisches Wevelinghoven" haben im Landesarchiv Münster einen Brief von 1660 ausfindig gemacht, der eine weitere Besonderheit darstellt. In diesen Papieren beschwert sich der reformierte Pastor Wilhelm Scriberius beim Kurfürsten über fortdauernde Streitigkeiten mit seinem katholischen Kollegen. "Beide lebten zusammen im Pastorat, was wohl nicht immer gut ging", berichtet Coenen.

Bestandteil des Briefs ist eine Zeichnung des Gebäudes, in die Scriberius die jeweiligen "Besitzverhältnisse" eintrug: Was von ihm genutzt wurde, markierte er mit "P" (Protestantisch), die Refugien seines ungeliebten Kollegen erhielten den Buchstaben "C" (Katholisch). Worum es bei dem Streit genau ging, ist noch nicht raus: "Die Handschrift ist sehr schwer zu lesen. Sie muss noch übersetzt werden", erklärt Coenen.

Dass sie mit ihrem Pastorat ein kleines "Schatzkästchen" besitzen, war vielen Wevelinghovenern bis vor Jahren nicht bekannt. Das Bewusstsein für dieses alte Gebäude schärfte erst die Historikerin Gabriele Broens in einem Beitrag im Jahrbuch des Kreisheimatbundes.

Seither kümmert sich der Verein "Historisches Wevelinghoven" um den Erhalt des Hauses. "Alleine könnten wir die Sanierung aber nicht stemmen", sagt Vorsitzender Theo Hoer. Er hofft – wie viele andere Gartenstädter – nun darauf, dass sich im Zuge des Pfarrheim-Neubaus eine Chance für das alte Gebäude ergeben wird.

(NGZ)