Grevenbroich: Hoffnung für Gut Nanderath?

Grevenbroich: Hoffnung für Gut Nanderath?

Ludger Sutthoff (52), Chef-Denkmalschützer aus Brauweiler, ist gegen den geplanten Abriss von Gut Nanderath. Er fordert den Eigentümer RWE Power auf, das historische Gebäude zu erhalten, damit es neu genutzt werden kann.

Für Ludger Sutthoff steht eines fest: Seine Behörde wird niemals ihr Einverständnis für den Abriss des historischen Gutes Nanderath geben. "Notfalls werden wir den zuständigen NRW-Minister einschalten", kündigt der Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Brauweiler an. Aus seiner Sicht ist Nanderath nicht nur irgendein Bauernhof, der unter Denkmalschutz steht: "Es ist ein Schmuckkästchen der Stadt, zumal Grevenbroich nur wenige große Anlagen dieser Art hat."

Seit 1969 gehört das Gut dem Energiekonzern RWE Power. Der aber will das zum Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude-Ensemble abreißen lassen, weil es zum Teil verfallen ist — es besteht Einsturzgefahr (die NGZ berichtete). Das ruft jetzt den LVR auf den Plan, der den Stromriesen aus Essen in die Kritik nimmt: RWE habe das Gut am Neurather Kraftwerk wohl bewusst verkümmern lassen, vermutet der Experte: "Der milliardenschwere Eigentümer hat jahrelang nichts unternommen. So etwas spricht sich in der Öffentlichkeit herum, das hinterlässt keinen guten Eindruck", meint Sutthoff.

Der 52-Jährige ist sich sicher: Trotz aller baulichen Schäden ist Gut Nanderath noch zu retten — zumindest in größten Teilen. "Das ist sicherlich nicht mit einem geringen finanziellen Aufwand verbunden", meint Ludger Sutthoff. Aber der Einsatz würde sich lohnen: "Grevenbroich bliebe damit ein landwirtschaftliches Anwesen erhalten, das von großer bau- und siedlungsgeschichtlicher Bedeutung ist." Eine künftige Verwendung von Gut Nanderath kann sich der Experte schon durchaus vorstellen: "In der Nähe soll künftig ein großer Gewächshauspark entstehen. Nanderath würde sich als Hofhandel für die dort angebauten Produkte anbieten — da sind aber noch andere Möglichkeiten denkbar", erklärt Ludger Sutthoff.

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Die Stadt Grevenbroich hat den Landschaftsverband aktuell aufgefordert, seine Stellungnahme zum Abrissantrag abzugeben. "Wir sollen innerhalb von vier Wochen unsere Meinung abgeben. Das Gut ist seit Jahrzehnten in RWE-Besitz, und jetzt soll alles auf einmal schnell gehen — eine Zumutung", meint Sutthoff. Als Leiter der LVR-Abteilung für Bau- und Denkmalpflege wolle sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen: "Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen."

Erfreut zeigt sich Sutthoff darüber, dass er Unterstützung aus der Grevenbroicher Politik erhält: "Die Aktiven Bürger waren bereits hier", erklärt er. Und deren Ratsmitglied Willibert Müller zeigt sich kämpferisch: "Gut Nanderath muss bleiben." Die Aktiven werden jetzt Gespräche mit den Verantwortlichen aus dem Rathaus, am Mittwoch zunächst mit Bürgermeisterin Ursula Kwasny führen: "Wir wollen wissen, wie die Stadt zum Abriss steht."

(NGZ)
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