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Hochwasserschutz in Grevenbroich: Warum die Erft nicht überläuft

Hochwasserschutz in Grevenbroich : Warum die Erft nicht überläuft

Der Erftverband sorgt durch Wehre und Rückhaltebecken dafür, dass Hochwasser ausbleiben.

Keine Trockenübung der Welt bereitet wirklich auf das nächste Hochwasser vor. „Natürlich simulieren wir den einen oder anderen Defekt“, sagt Ulrich Muris; einen Stromausfall am Regenrückhaltebecken – zum Beispiel. Doch das ersetzt nicht die jahrelange Erfahrung mit dem Zusammenspiel aus vollautomatischen Wehren, Regenrückhaltebecken, Ausweichflächen, dem abgesenkten Grundwasserspiegel und dem Wasser aus dem Braunkohlentagebau. Als Abteilungsleiter für oberirdische Gewässer im Erftverband weiß Ulrich Muris das, wenn er den für Grevenbroich wichtigsten Satz aus seinem Ressort sagt: „In Grevenbroich kann die Erft nicht überlaufen.“

Auch nicht, wenn es tagelang regnet. Oder wenn im Frühjahr viel weiter südwestlich vergleichsweise warmer Regen in der Eifel die Schneeschmelze wie ein Turbo beschleunigt. „Zuletzt hatten wir 2011 solch eine Situation, die auf der Erft für eine enorme Hochwasserwelle gesorgt hat“, erinnert sich Ulrich Muris. In solchen Fällen sorgen acht vollautomatische Wehre, drei davon in Grevenbroich, im Erftverlauf dafür, dass der Fluss nicht plötzlich über seine Ufer tritt. Im Zusammenspiel mit einem Pegelmessgerät öffnen und schließen sich Klappen im Erftstrom – und regulieren so, wie viel Wasser durchfließt. In Grevenbroich gibt es solcher Wehre an Kampers Mühle in Grevenbroich Mitte, an der Mühle Kottmann und an Drehs Mühle in Wevelinghoven.

Im Idealfall braucht das System den Menschen nur einmal pro Woche – wenn alle Wehre kontrolliert werden. Denn Treibgut kann sich so ungünstig vor die Klappen legen, dass diese blockiert sind. Dann werden kurzzeitig alle Klappen geöffnet, um Treibholz durchzulassen – oder ein Experte muss mit einem Bagger störende Teile aus der Erft ziehen.

Die acht Wehre sind jedoch nur ein Teil des Gesamtsystems Erft. Einen großen Einfluss hat der Braunkohletagebau. Zum einen werden bei Bergheim Sümpfungswässer in die Erft geleitet – bis zu 7000 Liter in der Sekunde. Ohne diese Beigabe würde die Erft zwischen 3000 und 5000 Liter pro Sekunde führen.

In außergewöhnlichen Lagen könnte RWE Power die Tagebauwässer über einen Kanal in Richtung Köln und dort direkt in den Rhein abführen. Zudem gibt es drei Rückhaltebecken im Lauf der oberen Erft, die bei Hochwasser aus der Eifel gefüllt werden können. Diese, jeweils eine Million Kubikmeter fassenden Becken würden Wassermengen parken und anschließend in verträglichen Dosen abgeben. Die Renaturierungsbemühungen entlang der Erft spielen demgegenüber laut Ulrich Muris für den Hochwasserschutz keine Rolle: „Das sind rein ökologische Maßnahmen.“