Grevenbroich: Hochamt auf ewig für die Kirchenstifter

Grevenbroich: Hochamt auf ewig für die Kirchenstifter

Dass die katholische Pfarrkirche in Gustorf derart aufwendig gebaut werden konnte, ist den drei Geschwistern Sinsteden zu verdanken. Schwester Mechtildis engagierte sich auch für andere Kirchen. Im Gegenzug wünschten sie eine Messe.

"Wie viel sie im Stillen den Armen und Kranken zugewendet hat, ist nur Gott bekannt", hieß es im Jahr 1881 auf dem Totenzettel von Mechtildis Neuhoff. Fest steht dagegen, wie viel sich die geborene Sinsteden und ihre beiden Brüder die neue Gustorfer Kirche kosten ließen. Mehr als 30.000 Taler spendeten sie für den Bau, nachdem das bisherige Gotteshaus zu klein geworden war. Noch heute wirkt er überaus imposant. Und mehr noch: Mit Edelsteinen aus ihrem Familienschmuck ließ Mechtildis Neuhoff sogar die Monstranz in der als Erftdom bekannten Kirche verzieren.

Ein Fenster der Klosterbasilika zeigt Mechtildis Neuhoff. Foto: on

Allerdings sollte diese Großzügigkeit auch nicht vergessen werden: "Auf ewige Zeiten, mit Ministranten und allem Zip und Zap" sollte für die Stifter ein Hochamt gelesen werden. So ist es im Testament festgelegt. Doch dies stellte Pfarrer und Gemeinde vor eine Herausforderung, erinnert sich Ralf Jungmann vom Kirchenvorstand: "Sie hatten den Josefstag am 12. März für das Hochamt ausgewählt, doch der liegt in der Fastenzeit." Deshalb muss die Messe bescheidener ausfallen.

Doch Ralf Jungmann ist zufrieden, dass man für diese Überschneidung eine Lösung gefunden hat. "Wir freuen uns, dass auch Monsignore Guido Assmann uns dabei unterstützt hat", sagt der 49-jährige Gustorfer. Seit drei Jahren wird die nächste Messe, die auf dem Josefstag folgt, in einem außergewöhnlichen Rahmen gefeiert. In diesem Jahr ist sie auf Samstag, den 14. März, 17 Uhr, terminiert. "Mit Ministranten und Musik", betont Jungmann.

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Mechtildis Neuhoff dürfte dies gefallen haben. Sie, 1782 in der Gustorfer Mühle geboren, fühlte sich nicht nur der Kirche ihres Heimatortes verbunden, sondern stiftete auch weitere Kirchbauten. Mit ihrem drei Jahre jüngeren Ehemann Johann Kaspar Heinrich Neuhoff lebte sie auf dem Tempelhof in Deutz. Dies brachte ihr, wie der Wevelinghovener Friedrich Schmitz in seinem "Historischen Stadtporträt: Unser Grevenbroich - Stadt, Land und Leute" schreibt, den Spitznamen "Tempel-Madam" ein. Für den Neubau der katholischen St. Cyriakus-Kirche etwa stiftete Mechtildis Neuhoff 9000 Goldmark. Der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde in Deutz spendierte sie das Land, auf dem neue Kirchen errichtet werden konnten. Abgebildet ist sie als Geldgeberin in einem Glasfenster der Klosterbasilika Knechtsteden.

Auch in Gustorf selbst bleibt der Name Sinsteden unvergessen - und das liegt nicht nur am prächtigen Erftdom und an dem Pavillon davor, der an die Geschwister erinnert. Auch das Seniorenstift "St. Josef" trägt den Namen von Mechtildis Bruder Josef. Die Einrichtung war zunächst ein Krankenhaus. Für dessen Bau hatten die drei Geschwister Ländereien zur Verfügung gestellt.

Ralf Jungmann würde sich viele Besucher in der Stiftungsmesse wünschen. "Wir haben auch fünf junge Leute als Bläserquintett gewinnen können, die 2014 beim Wettbewerb ,Jugend musiziert' den zweiten Platz belegt haben", erzählt er. Und wird der Wunsch nach "Zip und Zap" erneut erfüllt.

(NGZ)
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