Grevenbroich: Hier wacht Schwan Fridolin

Grevenbroich : Hier wacht Schwan Fridolin

Ein stattlicher Höckerschwan beherrscht den Torbogen an Haus Hartmann. Lieferwagen werden gestoppt, Spaziergänger machen einen Bogen. Warum? Fridolin lässt sich von Maritta Pawlikowski durch den Winter füttern.

Der erste Eindruck täuscht. Fridolin ist keiner dieser verrückten Trauerschwäne, die Tretbooten hinterherrennen. Und er ist auch nicht in einen Traktor verliebt. Fridolin will einfach bequem über den Winter kommen. Während die Artgenossen mühsam am Erftgrund nach Pflanzen fischen, bevorzugt der Grevenbroicher Höckerschwan frisches Brot. Und das bekommt er bei Maritta Pawlikowski.

Weil Schwäne aber nicht gerne teilen und die Haustür von Frau Pawlikowski zudem an einem belebten Durchgang liegt, hat Fridolin ein eher ausgeprägtes Revierverhalten. Wer den Torbogen an Haus Hartmann passiert, muss mit einem weit geöffneten Schnabel, drohenden Lauten und gespreizten Flügeln rechnen.

Während die Fußgänger in solchen Momenten einen weiten Bogen schlagen, bleibt Maritta Pawlikowski ganz entspannt. "Ach Fridolin, nun gib' nicht so an", sagt sie und droht dem stattlichen Höckerschwan mit erhobenem Zeigefinger. Folgsam wie ein Schoßhund lässt sich das ausgewachsene Tier auf der Türschwelle nieder und wartet auf Brotkrumen.. "Kurz vor Weihnachten hat er mit seinem Schnabel bei uns an der Scheibe geklopft und seitdem ist er da. Jeden Tag, einmal morgens und einmal abends", erzählt die 76-Jährige. Den Namen hat der Schwan übrigens von einer Nachbarin.

Denn Fridolin erregt Aufmerksamkeit — selbst in Grevenbroich, wo Wasservögel zum täglichen Bild gehören. "Er hat wohl den Flügel gebrochen", sagt Maritta Pawlikowski ein wenig mitleidig und blickt auf Fridolins linken Flügel. Der sieht tatsächlich arg mitgenommen aus, die Federkiele hängen struppig und abgespreizt vom ansonsten blütenweißen Federkleid. Nicht selten informieren Fußgänger die Grevenbroicher Feuerwehr über den vermeintlich verletzten Schwan.

Und so landet Fridolin mit schöner Regelmäßigkeit bei Nobert Wolf und seinem Team in der Aufzuchtstation "Schneckenhaus". "Dabei geht es Fridolin eigentlich ziemlich gut. Er hat das Kippflügelsyndrom — seine Federn am linken Flügel wachsen in einem 90-Grad-Winkel zum Körper", sagt Wolf. Fridolin kann nicht fliegen, darüber hinaus sei der Schwan aber kerngesund. "Allerdings bedeutet jeder Besuch bei uns echten Trennungsschmerz für den Schwan. Sie leben in einer Einehe, haben eine festen Partner. Den müssen wir jedes Mal suchen", erzählt Wolf.

Mittlerweile ist die Feuerwehr informiert, aufgeregte Tierfreunde werden am Telefon beruhigt. Und Fridolin? Der lässt es sich bei Maritta Pawlikowski richtig gut gehen. "Im Frühjahr ist er bestimmt weg. Ich werde ihn vermissen", sagt die Rentnerin.

(NGZ/rl)
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