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Helmut Sütsch auf Grevenbroich-Langwarden ist Naturfilmer und Fuchs_Experte

Naturfilmer aus Grevenbroich : Auf der Fuchs-Pirsch mit Helmut Sütsch

Mit seiner Filmkamera beobachtet der Langwadener seit etwa 40 Jahren Füchse. In Vorträgen und Dokumentationen berichtet er über Leben, die oft wenig bekannten Verhaltensweisen und welchen Nutzen der Fuchs in der Natur hat.

Seine Bilder sind eigentlich zu schön, um wahr zu sein: Puschelpelzige Welpen kuscheln sich  vor ihrem Bau aneinander und scheinen dem Naturfilmer direkt ins Objektiv zu gucken. „Das ist alles eine Frage der Geduld“, erklärt Helmut Sütsch. Seit 40 Jahren liegt er filmisch Füchsen auf der Lauer. Abwarten zu können, sei eine der wichtigsten Eigenschaften, „geduldig zu werden, habe ich mit der Zeit gelernt“, sagt der 67-Jährige.

Wo ein ordentliches Stück Wald sei, da sei auch ein Fuchs – theoretisch, erzählt er. Weil er wie andere Tierfreunde aber „jedes Jahr neu suchen muss“, gehört zu seiner Filmausrüstung – am schwersten schleppt er am 13 Kilo wiegenden Stativ – ein Zelt.  Neben   Hochsitz oder Auto sei das sein Hauptwohnsitz“ im Frühling und Winter. „Wobei in der halben Stunde, die hier Schnee liegt, sich kein Fuchs blicken lässt“, berichtet er fröhlich.

In der Eifel aber sehr wohl, und das Gebiet nutzt er entsprechend für Filmaufnahmen. Dass er tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, verdankt er seinem Riecher. Als „spannend“ beschreibt er nach all den Jahren die Beobachtungen dieses so „scheuen Wildtiers, das den Mensch meidet, wo es kann, trotzdem stark verfolgt wird und zu überleben versteht.

„Ich bin kein genereller Jagd-Gegner, aber total gegen die Fuchsjagd.“ Der Fuchs sei ein „Gesundheitspolizist“, der als Aasfresser den Wald aufräumt. Fuchsjagd zur Bestandsminderung sei „kontraproduktiv. Denn je mehr Füche erschossen werden, desto stärker ist die Vermehrung“. Diese eigenen Recherchen bestätigten ihm Forstbeamte, wie ein Kollege aus Niedersachsen, als er auf Fuchs-Motivsuche im Harz unterwegs war. Auf den Fuchs gekommen ist er aus „purer Faszination“ auf seinen Touren durch die Natur, die er als Kontrapunkt zu seinem Beruf setzte. Früher, als er noch auf Zelluloid arbeitete, bereitete er seine Filmsequenzen noch am Schneidetisch selbst auf. „Aus all den Schnipseln könnte mal ein ganzer Film entstehen“, sagt er über die Materialfülle. „Jetzt bin ich ja Rentner, jetzt habe ich Zeit.“ Zu den Bildern würde er auch die Vertonung übernehmen wollen, „ich gebe ja gerne meinen Senf dazu“.

Lang ist die Liste kleiner Anekdoten um Begegnungen mit dem pelzigen Waldtier. Auf einem Kölner Friedhof beispielsweise beobachtete er, dass Alt-Füchse an Grabvasen ihren Durst stillen oder dass  offensichtlich gerade aus dem Schlaf erwachte Fuchswelpen ebenso verpennt wie anderer Nachwuchs ist. „Ich hoffte, ein Jungtier mit Katzenfutter dazu zu bringen, an Ort und  Stelle zu bleiben“, erinnert er sich an einen „zu Herzen gehenden Moment. Denn das Jungtier kam zu mir und stupste mich mit seiner Nase an“, strahlt er über dies „Geschenk des Himmels“.

Das Wildtier aber verniedlicht er nicht zum Kuschelwesen, seine Aufnahmen und Kenntnisse werden von Profis in Dokumentationen gerne und oft genutzt. Genau wie er über Feinde des Fuchses berichtet, zu denen Steinadler, Luchs und Wolf zählen. „Irgendwann rief mich ein Falkner an“, in einem Bau lägen junge Füchse, aber der Bau sei in unmittelbarer Nähe eines Uhu-Hortes. „Da bin ich schnell losgefahren“, sagt Helmut Sütsch über die noch gelungenen Aufnahmen. Tage später fanden die Falkner beim Blick in den Horst zur Beringung der Jung-Uhus die Überreste eines von den Vögeln erbeuteten Jung-Fuchses. „So ist das in der Natur: fressen und gefressen werden.“