Grevenbroich: Helfer, denen geholfen wird

Grevenbroich : Helfer, denen geholfen wird

Viele Ehrenamtler etwa bei der Existenzhilfe und Caritas wissen genau, wo Besucher der Schuh drückt. Sie haben nämlich Geldsorgen, Arbeitslosigkeit oder andere Probleme am eigenen Leib erfahren. Nun helfen sie anderen.

Reichlich zu tun gibt's beim Verein Existenzhilfe, 25 Männer und Frauen bringen Kisten voll Gemüse und Obst herein, füllen Regale auf — in wenigen Stunden kommen 300 bedürftige Menschen zur Lebensmittelausgabe. Karl-Heinz Krüchten sortiert Paprika und Tomaten. Der Ehrenamtler ist selbst Kunde, auf die preiswerten Lebensmttel angewiesen. "Ich bin aus gesundheitlichen Gründen in Rente, das Geld reicht nicht." Krüchten weiß genau, wie sich manche Kunden fühlen. "Anfangs hatte ich Hemmungen, hierhin zu kommen." Doch bald packte der Grevenbroicher selbst an — ehrenamtlich 20 Stunden in der Woche. "Ich möchte anderen helfen, denen es ähnlich geht wie mir."

Hubert Grothe (55) erhielt in der Caritas-Kontaktstelle Hilfe für den Neubeginn, heute erledigt er viele kleine Reparaturen und will "andere ermutigen, wie ich vom Alkohol loszukommen". Foto: NGZ

Die Not ist groß, nimmt zu. 3000 Menschen hilft die Existenzhilfe mittlerweile. Da werden viele Hände gebraucht "Ohne Ehrenamtler wäre unsere Arbeit gar nicht möglich. Rund ein Drittel davon sind selbst Kunden", sagt Geschäftsführer Wolfgang Norf. Viele Menschen, die am eigenen Leib erfahren haben, was Geldsorgen, Arbeitslosigkeit und anderes bedeuten, geben die empfangene Hilfe zurück. "Etwa Rentner, die hier eine sinnvolle Beschäftigung suchen, sonst allein zu Hause sitzen würden", so Norf. Das Gefühl, gebraucht zu werden, spielt laut Jakob Leusch von der Fachberatungs- und Kontaktstelle (FAKT) der Caritas an der Bergheimer Straße eine wichtige Rolle.

Karl-Heinz Krüchten (55) kam als Kunde zur Existenzhilfe, erhält preiswerte Lebensmittel. Nun hilft der Grevenbroicher selbst ehrenamtlich in der Lebensmittelausgabe mit. Foto: M. reuter

Wohnungslose und andere finden dort Essen, Rat und mehr. "Viele unserer Ehrenamtler kamen zunächst als Besucher, erhielten hier später einen befristeten Ein-Euro-Job und halfen danach weiter." Dies fördere einen geregelten Tagesablauf, "einige fanden so schließlich eine Arbeit", so Leusch. "Die Kontaktstelle hat mich aus meinem Tief geholt, mir eine Wohnung beschafft. Seit sieben Jahren bin ich ,trocken'", erklärt Hubert Grothe,. Seit Jahren engagiert er sich bei FAKT, gibt etwa Tierfuttertüten an Bedürftige mit Haustieren aus. Und wenn sonst etwas bei FAKT zu reparieren oder erledigen ist, ist er zur Stelle.

Rosemarie Willgardt (36) fand beim Frauenfrühstück in der Frauen-Kontaktstelle und bei der Schuldnerberatung Rat und Hilfe. Nun engagiert sie sich bei der Caritas, um anderen zu helfen. Foto: NGZ

Ehrenamtlich aktiv ist auch Rosemarie Willgardt, die Gindorferin organisiert mit das Frauen-Frühstück bei der Frauen-Kontaktstelle "FrauKe" der Caritas, hört anderen mit Sorgen zu. Sie hat dort selbst Hilfe erhalten — und den Anstoß, sich wegen ihrer Schulden-Probleme an die Schuldnerberatung zu wenden.

(NGZ)