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Heike Dihs ist Eierfrau in Grevenbroich: Vom glücklichen Huhn zum Schwips

Heike Dihs ist die mobile Eierfrau in Grevenbroich : Vom glücklichen Huhn zum Schwips

Grevenbroichs „Eierfrau“ Heike Dihs verrät zwei Rezepte für selbst gemachten Eierlikör.

Harte Schale, leckerer Kern: Jeden zweiten Freitag macht Heike Dihs in Grevenbroich Halt. Sie beginnt ihre Tour um 14 Uhr in Gustorf. Über Elsen (14.30 Uhr), die Röntgenstraße (15 Uhr), Neuenhaus (15.30 Uhr), die Südstadt-Apotheke (16 Uhr) fährt sie zur letzten Station: Allrath, jeweils gegen 16.30 Uhr. Im Wagen transportiert die 50-Jährige eine bei ihren Fans äußerst begehrte Ware, aus der sich unter anderem ein leckerer Likör machen lässt. Aber dazu mehr im Infokasten. Heike Dihs ist die „Eierfrau“ von Grevenbroich.

Begonnen hat die gefiederte Leidenschaft der Arzthelferin vor sieben Jahren mit sieben Hühnern und null Fachkenntnissen. „Die Hühner habe ich von einem Nachbarn übernommen.“ Das Wissen über die Hühner pickte sich Heike Dihs aus unzähligen Fachbüchern zusammen, sprach mit Bauern, lauschte anderen Züchtern. Sofern die bereit waren, ihr Wissen zu teilen. Entstanden ist daraus ein Paradies: Rund 80 Hennen samt einer abgezählten Schar Hähne unterschiedlicher Rassen leben in Mönchengladbach Wanlo, Am Stiel 15, ein Mistkratzer-Luxusleben – im Vergleich zur weit überwiegenden Mehrheit der übrigen, rund 47 Millionen, in Deutschland gackernden Legehennen.

„Bei uns dürfen die Hühner noch Hühner sein“, sagt Heike Dihs. Sie haben freien Ausgang, dürfen nach Herzenslust picken und scharren und Nahrung suchen, stehen mit dem ersten Tageslicht auf und gehen von selbst in ihren Stall, sobald es abends dämmert. „Das muss man neuen Hühnern antrainieren“, berichte Heike Dihs. Die erste Woche gibt es Stubenarrest in einem der drei Ställe – dann haben die Tiere gelernt: Das ist mein zu Hause. „Hühner sind viel intelligenter als die meisten glauben“, hat ihre menschliche Ziehmutter Heike in all den Jahren beobachtet.

Allerdings gelten unter den braunen, weißen, gemusterten und grauen Damen ganz klare Regeln. Die Sache mit der Hackordnung ist gelebte Praxis – selbst im Hühner-Paradies von Heike Dihs. Wer neu in der Gruppe ist, muss sich ganz hinten anstellen. Und selbst wenn ein Huhn aus Krankheitsgründen mal mit nach Hause genommen wird, um dort wieder gesund gepäppelt zu werden, hat es bei seiner Rückkehr in den Hühnerstall den angestammten Platz verloren.

Auch dies gibt es im Eierhäuschen von Heike Dihs: Echte Gänseeier, deren Geschmack mit dem von Hühnereiern nichts gemeinsam hat. Foto: Dirk Neubauer

Zu futtern gibt es bei Heike Dihs eine bestimmte Sorte Legemehl und selbst angebauten Weizen – und eben, was das Federvieh den lieben langen Tag so findet – mal ein Blümchen, mal einen Regenwurm. Das Huhn an sich ist da ähnlich wenig wählerisch wie der Mensch: Es vertilgt prinzipiell alles. Um allerdings wohlschmeckende Eier zu erzeugen, sollten Hühner nicht mit Speiseresten gefüttert werden – das schlägt sich sofort negativ im Geschmack der Eier nieder.

Um die zu legen, begeben sich die Damen selbsttätig auf ihre Legeplätze – und gackern tatsächlich laut und stolz und vernehmlich, sobald das Werk vollbracht ist. Im Eierhäuschen nebenan können Grevenbroicher, die Heike Dohs am Freitag verpasst haben, die Eier erwerben. Das Geld legt man – auf Treu und Glauben – in einen mittlerweile tresorähnlichen Behälter, weil Eierkassen-Diebe alle vorherigen Behälter entwendet haben. In der Größe L kosten zehn Eier rund drei Euro – im Discounter beginnt der Zehnerpack aus Bodenhaltung bei 1,29 Euro.

Schmeckt selbstgemacht am besten: Eierlikör. Foto: Pixabay, RitaE

„Ja, das ist ein Preisunterschied“, gibt Heike Dihs zu, „aber dafür haben die Hühner bei mir ein gutes Leben.“ Lucie beispielsweise trägt einen roten Ring am Hühnerbein. Das bedeutet, dass sie mit sieben Jahren eine der ältesten hier auf dem Hof ist – und immer noch fit wirkt. Industriehühner dürfen ein Jahr lang Eier legen und werden anschließend geschlachtet, sagt Heike Dihs.

Dass sich der Aufpreis lohnt, wurde ihr jüngst aus berufenem Mund bestätigt. Koch Björn Freitag verglich Rührei aus dem Paradies-Kistchen von Heike Dihs mit dem Gerührten aus dem Discounter – und staunte über den deutlichen Geschmacksunterschied. Beste Voraussetzungen also, um aus diesen ganz besonders leckeren Eiern selbst einen Eierlikör zu machen (siehe Infobox).