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Grevenbroich: Hansa-Stube: Der Letzte macht das Licht aus!

Grevenbroich : Hansa-Stube: Der Letzte macht das Licht aus!

Die Grevenbroicher Kultkneipe Auf der Schanze 46 schließt für immer. Wirtin Sylvi Briechle (37) hört auf. Sie nennt persönliche Gründe.

Es gibt Kneipen, die sind das Wohnzimmer einer Stadt. Wie ein Treffpunkt für Freunde, zu dem man sich nicht verabreden muss - weil sich alle irgendwann hier wieder treffen. Fast 40 Jahre lang war die Hansa-Stube so ein Ort. Das Rezept für den gelungenen Abend in Grevenbroich: Kult, Freunde und Party. Und Tischkicker. Noch steht er ja auch. Ein Kicker, an dessen Stangen gefühlt jeder schon gedreht hat, der in der Stadt heimisch ist. Und die abgerockten Möbel lehnen auch noch an diesen roten Wänden, die einem wohl Tausende Kneipengeschichten erzählen könnten, legte man sein Ohr nur einmal an. Doch in der Hansa-Stube ist jetzt Feierabend. Sie schließt für immer, weil die Frau, die die Kultkneipe einst vor dem Aus rettete, aufhören möchte.

Wie ein Déjà-vu muss die Nachricht für einige gewesen sein. "Alles hat ein Ende...", hatte Sylvi Briechle (37) auf Facebook geschrieben. "Ich möchte euch kurz mitteilen, dass ich das Hansa demnächst aufgeben werde." Bereits 2003 stand die Kneipe vor dem Aus, und die Gerüchte klangen ähnlich: Der Vermieter wolle nun eine Pommesbude eröffnen, das Gebäude gar komplett abreißen. Damals noch Kellnerin, sprang Sylvi Briechle ein - mit gerade einmal 24 Jahren.

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"Ich habe persönliche Gründe jetzt zu schließen", sagt Briechle knapp und wirkt, als habe sie mit diesem Kapitel ihres Lebens schon abgeschlossen. Briechle will sich als Fotografin und Grafikerin selbstständig machen und ein Studio in Neuss eröffnen. Der Vermieter wolle definitiv keine Kneipe mehr, sagt sie. Auf Nachfrage will sie seinen Namen aber nicht nennen. Hoffnung auf eine weitere Rettung an Ort und Stelle gibt es ihrer Ansicht nach nicht. Für Briechle seien die 13 Jahre eine lehrreiche Zeit gewesen. "In so einer Kneipe knallt das Leben voll rein." Und wenn wieder "Betreutes Trinken" angesagt war, dann war die Kneipe voll. Besondere Momente habe es viele gegeben. Wenn alle Party gemacht haben und das Team hinter der Theke richtig Gas geben konnte. Das besondere Flair lebte davon, dass sich alle kannten oder spätestens beim zweiten Bier miteinander ins Gespräch kamen.

Selbst in schwierigen Zeiten, zum Beispiel, als das Rauchverbot in Lokalen durchgesetzt wurde, da hätten die Gäste an den Freitag- und Samstagabenden die Treue gehalten. Philipp Richter war einer dieser Stammgäste, hat hier aufgelegt, gefeiert und selbst an Heiligabend alte Schulfreunde in der Kneipe Auf der Schanze getroffen. "Ich weiß nicht, wo wir hingehen werden, wenn das Hansa schließt."

Sylvi Briechle hofft, dass sich ein neuer Laden findet, vielleicht in der Grevenbroicher Innenstadt. Nur müsste dieser wohl vorerst ohne den Hansa-Kult auskommen, denn dieser Status braucht länger als ein gut gezapftes Bier. Der Abschlussabend in der Kultkneipe steigt am 28. Dezember. "Wir würden uns riesig freuen, wenn man sich noch mal sieht!", hatte Briechle noch auf Facebook geschrieben. Wie viele kommen, könne sie nicht schätzen. "Jeder, der das Hansa als seine Kneipe ansieht, der wird da sein."

(ball)