Grevenbroich: Handel sucht Geschäftsräume

Grevenbroich : Handel sucht Geschäftsräume

In der Grevenrboicher Innenstadt wechseln zahleiche Ladenlokale ihre Pächter. Ein Problem: Es fehlen Alternativen für moderne Geschäftsräume. Zudem wird die Wirtschaftsförderung als wenig flexibel kritisiert.

So hatte sich das Renate Hülser, Bezirksleiterin der Fleischerei Esser, nicht vorgestellt. Nach der Kündigung in der Coens-Galerie — der Anbieter für Fleischwaren, Wurst und Feinkost wird am kommenden Samstag schließen — suchte sie eine Alternative in der City: " Wir waren hier sehr zufrieden. Doch wir haben in der Innenstadt kein passendes Ladenlokal als Alternative gefunden", bedauert Hülser. Zu klein, kein barrierefreier Zugang oder zu teuer seien die Angebote gewesen. Jetzt wird das Unternehmen mit 37 Filialen Grevenbroich endgültig den Rücken kehren; die sechs Mitarbeiter bleiben im Betrieb. Doch Esser ist nur ein Beispiel — in der Grevenbroicher City droht der große Leerstand.

Foto: Berns, Lothar

Das Problem, das Renate Hülser beschreibt, ist nicht neu. Wirtschaftsförderer Ulrich Held betont den eingeschränkten Handlungsspielraum: "Viele Immobilien in der Innenstadt, die nicht mehr modernen Ansprüchen genügen, gehören privaten Eigentümern." Diese müssten oft erst investieren, um wieder neue Interessenten zu finden. Nicht jeder sei dazu bereit. Gemeinsam mit dem Werbering habe man jetzt ein Leerstandskataster erstellt. Das Ziel: Nach einer Geschäftsaufgabe soll ein Objekt schnellstmöglich weiter vermietet werden. Als positive Beispiele nennt Held "Unitymedia" im früheren Kartenhaus Gieselbach in der Fußgängerzone oder die Neueröffnung von "Schön und gut", die auf den Inneneinrichter "MaStore" an der Bahnstraße folgte. Doch die "To do"-Liste für Held und Kollegin Carina Lucas ist lang: Bereits aufgegeben wurden etwa das Schuhhaus Ahlbeck, Adessa, Schlecker und Mr Baker, verrammelt ist auch Photo Porst. In der Coens-Galerie werden Nachmieter für die Glocken-Bäckerei und das Eiscafé gesucht, im Montanushof wird Intersport im September schließen.

Foto: Michael, Reuter

Gleichzeitig steht auch die Wirtschaftsförderung selbst immer wieder in der Kritik: Zuletzt hatte die SPD ihr zu wenig Engagement vorgeworfen, regelmäßige Leistungsberichte verlangt.

Als "zu wenig flexibel" kritisiert auch Gregorio Massaad die Wirtshaftsförderung. Er wollte 2011 Karnevalsartikel in der City verkaufen, durfte dies nur am Hammerwerk. Die Begründung: das Einzelhandelsstandortgutachten. Massads Sortiment wurde als innenstadtrelevant eingeschätzt, deshalb nur außerhalb der City zugelassen. Ähnlich bei der Spiel- und Freizeithalle aus Wevelinghoven, der 2010 in die Innenstadt umziehen wollte, nicht durfte — und in Rommerskirchen eröffnete. Ein Erfolg fehlt bisher auch für den früheren Rewe-Markt in Kapellen: Zwar gab es einige Interessenten, aber bisher noch keinen Vertragsabschluss.

(NGZ)