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Grevenbroich: Halteverbot: Anwohner wütend

Grevenbroich : Halteverbot: Anwohner wütend

Viele Anwohner der Mittelstraße in Gustorf beschweren sich: Seit November dürfen sie nicht einmal vor dem Haus halten, um Einkäufe auszuladen. Die Stadt begründete das Halteverbot auf beiden Seiten mit der Enge der Straße.

Odilia Heiden ist aufgebracht. Nur die Einkaufstaschen habe sie ins Haus getragen, und "schon hatten wir ein Knöllchen am Auto. Das ist doch Blödsinn." Wie sie beschweren sich etliche Anwohner der Mittelstraße zwischen Christian-Kropp- und Reisdorfer Straße über das seit November geltende Halteverbot auf beiden Seiten — ohne die frühere zeitliche Einschränkung. "Die Anwohner dürfen vor ihren Häusern nicht einmal halten, um einen Kinderwagen oder Rollator auszuladen. Das ist katastrophal", ist Hans-Peter Abts erbost. Und Uwe Seeger erklärt: "Die Stadt nötigt hier Bürger zu verkehrswidrigem Verhalten."

Das Halteverbot galt auf der Einbahnstraße auch schon vor November — allerdings nur an Müllabfuhr-Tagen, damit die Müllwagen durchkamen. Ende 2011 hätten sich aber, so informierte die Stadtverwaltung den Bauausschuss, Anwohner massiv beschwert: Ein ungehindertes Befahren sei wegen der am Rand geparkten Autos oft nicht möglich. Die Verwaltung verstärkte ihre Kontrollen und stellte zudem fest, dass dauerhaftes Parken "aus Sicherheitsgründen" dort nicht zu gestatten sei — die Fahrbahn sei dann zu schmal. Komme etwa ein Feuerwehrwagen dadurch zu spät zum Einsatz, müsse die Stadt mit juristischen Folgen rechnen.

Solche Argumente können zahlreiche Anwohner nicht nachvollziehen. "Ich lebe seit über 50 Jahren an der Straße, und es gab keine Probleme", berichtet Odilia Heiden. Sie und andere sehen nun eine andere Gefahr: "Seitdem keine Autos am Rand stehen, ist die Straße hier zur Rennstrecke geworden." Und Uwe Seeger wundert sich: "Die Stadt hat im Sommer FahrbahnMarkierungen aufgemalt, die zeigen, wo keine Autos stehen dürfen. Warum, wenn hier sowieso nicht geparkt werden darf?" Die Anwohner müssen, sofern keine Garage zur Verfügung steht, ihre Autos auf Nachbarstraßen abstellen.

UWG-Ratsfrau Angelika Teske-Naumann nahm die Information im Auschuss nicht einfach hin: Am Tag danach beantragte die UWG, das Halteverbot "im unteren Bereich der Mittelstraße aufzuheben" und etwa in ein "eingeschränktes Halteverbot" umzuwandeln. "Die heutige Regelung bedeutet eine Verringerung der Lebensqualität", betont Hildegard Florack (UWG).

Angesichts der aktuellen Beschwerden sieht auch die Verwaltung neuen Handlungsbedarf: "Wir püfen, die Regelung so zu ändern, dass Anwohner vor ihren Häusern ihre Autos be- und entladen können", kündigt Stadtsprecher Andreas Sterken nach der Sitzung an. Zudem beantragt die UWG zu prüfen, ob auf der kleinen Grünfläche an der Reisdorfer Straße Stellplätze geschaffen werden können, um die Parknot zu lindern.

(NGZ)