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Grevenbroich: "GV"-Zeichen: Ein Symbol für Heimat

Grevenbroich : "GV"-Zeichen: Ein Symbol für Heimat

Interview Ralf Bochert, Leiter des Forschungsprojekts "Initiative Kennzeichenliberalisierung", spricht über seine Studie zur Wiedereinführung von Altkennzeichen und weshalb sich viele Bürger dafür stark machen

Vor allem junge Menschen plädieren Ihrer Studie zufolge für eine Wiedereinführung der Altkennzeichen. Dabei kennen junge Menschen die alten Nummernschilder eigentlich nur von Fotos. Wie erklären Sie sich diesen Wunsch?

Foto: Büttner, Martin

Ralf Bochert Das hängt mit der Sehnsucht nach Verortung zusammen. Es geht also, ohne dass es jetzt zu schmalzig klingen soll, um ein Heimatgefühl. Dieser Wunsch ist weit verbreitet. Heimat — das ist nun mal eher die Stadt als der Kreis, dem sie angehört. Die Wiedereinführung der Altkennzeichen wäre für die jungen Menschen aber natürlich keine Rückkehr zu etwas Bekanntem, sondern etwas komplett Neues. Gerade junge Menschen sind bereit, sich für Neues zu öffnen.

Im Rhein-Kreis Neuss lehnt der Landrat die Einführung der Altkennzeichen ab. Unter anderem mit der Begründung, der Verwaltungsaufwand würde steigen.

Bochert Die Umstellung ist von der EDV her simpel. Das Bundesverkehrsministerium und viele andere Kreise haben zudem bestätigt, dass eine Umstellung kostenneutral ist. Grundsätzlich dürfte es also keine Probleme geben.

Der Landrat verweist in seiner Argumentation darauf, dass alle Teile des ehemaligen Kreises Grevenbroich erfasst werden müssten. Dazu zählt zum Beispiel Wickrath, das heute zu Mönchengladbach gehört.

Bochert Das ist in diesem Fall nicht vorgesehen. Das NRW-Verkehrsministerium hat abgefragt, in welchen Städten und Kreisen der Wunsch nach Wiedereinführung der Altkennzeichen besteht. Das GV-Zeichen wurde der Zulassungsbehörde im Rhein-Kreis Neuss angeboten, nicht aber der in Mönchengladbach. Damit wäre dieses Thema erledigt.

Mit Blick auf die Wiedereinführung der Altkennzeichen sprechen Sie von Vermarktungsmöglichkeiten. Wie sehen diese konkret aus?

Bochert Zunächst wirken die Kennzeichen ja auf die Menschen, die in einer Stadt leben. Die Kennzeichen können ein Symbol für ein Zugehörigkeitsgefühl sein. Erfahrungsgemäß reagieren die Bewohner jener Kreise, die sich für eine Wiedereinführung ausgesprochen haben, sehr positiv auf die Kreisverwaltung. Sie sehen dies als Ausdruck der Bürgernähe. Oft wird gesagt: ,Da wurde etwas Gutes gemacht'. Natürlich gibt es aber auch eine Außenwirkung. Die Kennzeichen stärken den Bekanntheitsgrad einer Stadt — gerade dort, wo sie häufig zu sehen sind.

Könnten die Kreise mit der Wiedereinführung der Altkennzeichen nicht sogar Geld verdienen? Sie könnten ja eine Gebühr wie bei den Wunschkennzeichen kassieren.

Bochert Das wird diskutiert. Auf Rügen, wo man seit ein paar Monaten schon zwischen zwei Kennzeichen wählen kann, wird zurzeit getestet, ob dies zu Mehreinnahmen führt. Für eine abschließende Bewertung ist es allerdings noch zu früh.

Andreas Buchbauer führte das Gespräch.

(NGZ/top)