Grevenbroich: GV-Schilder nicht gewünscht?

Grevenbroich : GV-Schilder nicht gewünscht?

In über 180 Städten laufen Bestrebungen, wieder die alten Autokennzeichen einzuführen. Grevenbroich ist nicht dabei. Das erregt das Interesse eines Heilbronner Professors, der zurzeit an einer Expertise zum Thema arbeitet.

Einen Benz von 1973 nennt Heinz Laumann von den Oldtimerfreunden Grevenbroich sein eigen — mit NE-Kennzeichen. "Wenn es das alte GV-Kennzeichen wieder gäbe, würde ich darauf umsteigen: Das passt zum Baujahr", sagt er. Rund 180 Städte in Deutschland wollen wieder die Altkennzeichen aus der Zeit vor der kommunalen Neugliederung einführen. Grevenbroich ist nicht dabei.

Das stößt bei Ralf Bochert (50), Professor für Tourismusmanagement von der Uni Heilbronn, auf wissenschaftliches Interesse. "In Grevenbroich gibt es aus der Sicht von außen keine erkennbaren Bestrebungen, das GV-Kennzeichen aus der Zeit vor 1975 wieder einzuführen", erklärt der Wissenschaftler, der an einer Expertise zum Thema arbeitet, auf Anfrage der NGZ.

Dabei sei gerade in vielen größeren NRW-Städten — besonders im Ruhrgebiet — das Interesse groß. In acht der zehn größten NRW-Kommunen, in denen ein Wechsel möglich ist, würden Bestrebungen dafür laufen — Moers und Witten sind etwa dabei. Grevenbroich sei die elftgrößte dieser Städte.

Die Schlossstadt bleibt also wohl beim "NE" — dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass fast verschwundene Zeichen von MO (Moers) bis ERK (Erkelenz) wieder zu sehen sind, gestiegen. Kurz vor Weihnachten sagte die Bundesregierung zu, eine entsprechende Änderung der Zulassungsverordnung im Bundesrat einzubringen. Landesverkehrsminister Harry K. Voigtsberger (SPD), der wenig von der Wiedereinführung hielt, will dieser nicht im Weg stehen: Das Ministerium fragt bei Landräten und Oberbürgermeistern das Interesse ab.

Laut Professor Bochert wären die Altkennzeichen "aus Marketingsicht ein Geschenk. Im Stadtmarketing spielt die Frage der Marken eine große Rolle. Ein eigenes Kennzeichen, mit dem sich die Bürger identifizieren, ist eine authentische Marke." Im Rahmen einer Uni-Umfrage erklärten 73 Prozent von 30 000 Befragten in 44 Städten, dass sie wieder das alte Kennzeichen wollten (NRW: 75 Prozent).

Bürgermeisterin Ursula Kwasny sieht lieber "NE": "Das GV-Zeichen würde unser Image stärken, sonst aber keine Vorteile bringen. Wir arbeiten gut mit dem Kreis zusammen, das soll so bleiben." Kwasny weist darauf hin, dass sich große Teile der Kreisverwaltung in der früheren Kreisstadt befinden. "Die Verbundenheit ist groß. Und ein GV-Kennzeichen macht uns nicht wieder zur Kreisstadt."

Landrats-Vertreter Jürgen Steinmetz meint: "Mehr als 35 Jahre nach der Gebietsreform erscheint die Rückkehr zu den alten Kennzeichen nicht sehr sinnvoll, insbesondere wenn damit ein hoher Bürokratieaufwand verbunden sein sollte."

Professor Ralf Bochert jedenfalls will die weitere Entwicklung in Grevenbroich beobachten.

(NGZ)
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