Vier Jahre nach Verkauf noch immer eine Ruine: Gustorfer fragen: Was wird aus der alten Mühle?

Vier Jahre nach Verkauf noch immer eine Ruine: Gustorfer fragen: Was wird aus der alten Mühle?

Von Wiljo Piel

Von Wiljo Piel

In knapp einem Monat startet die Euroga 2002. Pünktlich zum Beginn der dezentralen Landesgartenschau sollte auch die historische Wassermühle in Gustorf wieder auf Vordermann gebracht werden. Das waren die Pläne, die das Unternehmer-Ehepaar Antons aus Rosellerheide verfolgte. Doch die alten Gebäude am Ortseingang sind nach wie vor in einem ruinösen Zustand. Und dies sorgt in Gustorf und Gindorf für reichlich Unmut. Zwar steht schon seit geraumer Zeit ein Kran an der Wassermühle, doch die geplante Sanierung des Gemäuers schreitet augenscheinlich nicht voran. Ursprünglich sollten die Arbeiten zum Euroga-Start beendet werden. NGZ-Fotos (2): H. Jazyk

Die Wassermühle, deren älteste Teile aus dem Jahr 1749 stammen, wurde 1961 bei einem Brand bis auf die Grundmauern zerstört. Seither werden die Bäume zwischen Kleinfelderhof und Bahnübergang von mächtigen Ruinen überragt. Schon vor über zehn Jahren gab es Pläne, die alten und teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wieder zu sanieren. 1998 wurde dieses Vorhaben konkreter, als die Bauunternehmer Edith und Klaus Antons aus Rosellerheide das 16.500 Quadratmeter große Areal erwarben. Ihr Plan: die Mühle sollte renoviert und bis zur Euroga 2002 mit Wohnungen und einer Gastronomie ausgestattet werden.

Vor gut zwei Jahren erhielt das Ehepaar die Baugenehmigung - Bagger, Betonmischer und ein Kran rollten an die Mühlenerft. Doch äußerlich hat sich seither nicht viel getan. Und das wurmt viele Gustorfer und Gindorfer, wie Peter Hebbering, Brudermeister der Sebastianus-Schützen, weiß: "Die Ruinen am Ortseigang sind ein Schandfleck, der uns stört. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie von heute auf morgen einstürzen würden", erklärt der Schützen-Chef. Er wundert sich darüber, "dass Stadtverwaltung und Politik nicht eingreifen, um den Unternehmer endlich zum Handeln zu bewegen".

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Möglicherweise, so vermutet Hebbering, liege das auch daran, dass Gustorf nicht Grevenbroich sei: "Lägen Ruinen wie die Wassermühle und der Bahnhof oder aber verwilderte Anlagen, wie sie an unseren Bahngleisen zu finden sind, in der Innenstadt, wären sie schon längst aus der Welt geschafft worden." Auch Dieter Engels, SPD-Stadtratsmitglied aus Gindorf, wünscht sich einen größeren Einsatz der Stadt in Sachen Wassermühle: "Es ist ein Unding, dass sich dort schon seit Jahren nichts tut. Die Verantwortlichen aus der Verwaltung sollten den Unternehmer mal zur Rede stellen - entweder renoviert er nun die Mühle oder nicht." "Es ist ein alter Wunsch der Gustorfer, diese Mühle in irgendeiner Weise wieder zu beleben. Nicht nur im Dorf, sondern auch in den Nachbarorten wundert man sich darüber, dass hier nichts passiert", meint CDU-Stadtrat Hans-Wilhelm Phillipps.

Er gibt zu bedenken, dass vor allem das Gebäude auf der linken Mühlen-Hälfte vom Denkmalschutz in besonderer Weise betroffen sei: "Es ist bereits in der Mitte gerissen. Wenn es nicht mehr steht, gehen Denkmalschutz und Baurecht verloren, das ist das große Risiko. Wir versuchen schon seit geraumer Zeit, auf den Eigentümer einzuwirken, damit die Mühle endlich saniert wird. Vielleicht kann die Stadtverwaltung hier etwas bewegen." Doch das sei nur mit großem Aufwand möglich, betonte Rathaus-Sprecher Roland Knapp auf Anfrage der NGZ: "Es gibt die Möglichkeit, eine Ordnungsverfügung zu erlassen. Bevor sie jedoch in die Wege geleitet werden kann, muss eine detaillierte und sehr aufwändige Bestandsaufnahme erfolgen - dafür fehlt uns aber zurzeit das Personal."

Mühlenbesitzer Klaus Antons ist immer noch bestrebt, sein Projekt zu verwirklichen: "Es geht voran, wenn auch nur im Schneckentempo", meint er. Es sei schwierig, ein solches Vorhaben aus der eigenen Tasche zu bezahlen: "So wie ich die finanziellen Mittel habe, geht es weiter." Die Ansicht, dass in der Vergangenheits nichts geschehen sei, möchte Antons nicht teilen: "Im Gegnteil, wir haben das gesamte Mühlenhaus unterfangen, das auf morschen Holzpfählen gründete - so etwas sieht man natürlich nicht von der Straße aus." Nach wie vor geht Antons davon aus, dass die Mühle saniert wird - irgendwann einmal. "Ich gebe nicht auf", so der Mann aus Rosellerheide.

(NGZ)
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