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Grevenbroich: Gustorf sucht die Kegelmeister

Grevenbroich : Gustorf sucht die Kegelmeister

Mit dem Start des 43. Winterkegelturniers der Keglergemeinschaft herrscht auf den Kegelbahnen in Gustorf erneut ein Ausnahmezustand. 88 Mannschaften gehen an den Start, rund 550 Spieler sind im Einsatz.

Der Abend riecht nach Zigarettenrauch und Bierschaum. Er ist eine kleine Zeitreise zurück zu den Ursprüngen deutscher Geselligkeit, ein paar Treppenstufen hinab in den Bauch einer Gaststätte, wo gestandene Männer gewichtige Mienen machen: Hier ist Wettkampf, Gustorf sucht seine besten Kegler.

Seit 43 Jahren geht das schon so. Beim Winterkegelturnier rückt das Dorf zusammen. Auf kleinen Kegelbahnen, ohne Frischluft, Musik und anderen Firlefanz. Thorsten Klug ist 23, ein Dachdecker, im Winter ist er Kegler. "Das macht man hier so. Beim Winterkegeln mitmachen ist Pflicht", sagt Klug und hat wenig Verständnis für die Frage nach seiner Motivation. Gemeinsam mit Denis Deckmann (19) und acht weiteren Freunden geht Klug als "Reissdorfer Jungs" an den Start. Natürlich geht der Name auf's Kölsch zurück — Bier ist wichtig, die Mannschaft wird sogar von einer Kneipe gesponsort.

Womit die "Reissdorfer Jungs" aber auch gleichzeitig signalisiert haben, keine Ambitionen auf den Turniersieg zu haben. Wer die fünf "Gustorfer Bilder" abräumen will, braucht einen klaren Kopf. Dietmar Gansen zum Beispiel, der Vereinsvorsitzende, hat Großes vor. Zwar gilt er als großartiger Kegler, doch den Titel hat er noch nie gewonnen. Ein ewiges Talent sozusagen.

"Ich hab' noch etwas gut zu machen", sagt Gansen. Wenn er an die Bahn tritt, ist er nüchtern. Zumindest aber im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Maximal 35 Kegel kann jeder Spieler umwerfen — wer sich etwas ausrechnet, braucht einen Schnitt über 30. Den bekommt Gansen hin, da macht er sich keine Sorgen.

Bleibt die Frage, ob die Mannschaft voll mitzieht. Und ob die Nerven halten. Im vergangenen Jahr reichte es für Gansen wieder einmal nur zu Platz zwei. Jeweils am ersten und am letzten Abend spielte der 51-Jährige seine schlechtesten Runden.

Die Ergebnisse des Abends — gekegelt wird bis zum 21. Januar — will der Verein ins Internet stellen. Die Mannschaften beäugen einander: Wer die Bahn verlässt, wird von den nachrückenden Mannschaften mit vermeintlich unbefangenem Interesse nach den soeben erzielten Ergebnissen befragt.

"Et omnibus canonibus" hat fertig — mit ihrem ersten Einsatz und sehr wahrscheinlich mit dem weiteren Turnierverlauf. Ein besseres Damenergebnis sei es gewesen, der Schnitt liegt knapp über 20 Holz, die Köpfe hängen. Diesen Schuh wollen sich die "Reissdorfer Jungs" gar nicht erst anziehen. "Der Spaß steht im Vordergrund, der Ehrgeiz ist für die Älteren reserviert", sagt Denis Deckmann. Platz 48 aus dem Vorjahr gilt es dennoch zu toppen. Denn blamieren will man sich auch nicht. Nicht als Kegler in Gustorf.

(NGZ/rl)