Grevenbroich: Gunter Demnig verlegt neue "Stolpersteine"

Grevenbroich: Gunter Demnig verlegt neue "Stolpersteine"

Mit seinen "Stolpersteinen" erinnert der Künstler an die Schicksale von NS-Opfern. Jetzt war der 66-Jährige wieder in Grevenbroich unterwegs.

Er hämmert und klopft noch mal ein bisschen nach, dann sind die "Stolpersteine" wie gewünscht eingebettet im Gehsteig: Der Künstler Gunter Demnig hat drei seiner Gedenksteine, die an das Schicksal von NS-Opfern erinnern, in Grevenbroich neu verlegt. Erinnert wird an die Familien Katz, Winter und Theisebach. Heute jährt sich der schwärzeste Tag in ihrer Familienchronik zum 71. Mal. Ulrich Herlitz vom Geschichtsverein Grevenbroich erklärt: "Am 11. Dezember 1942 wurden die drei Familien in das Ghetto von Riga deportiert und im Holocaust ermordet."

Gunter Demnig war kurz vor diesem traurigen Jahrestag zum nunmehr vierten Mal in Grevenbroich, um Stolpersteine zu verlegen. Sie sollen an das Schicksal der Opfer erinnern und Erinnerungsarbeit leisten. Die etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Steine enthalten auf einer Messingplatte Informationen über die Opfer: ihre Namen, Deportations- und Todesdatum und einen Vermerk über den letzten frei gewählten Wohnort. Bei der jetzt erfolgten Stolpersteinverlegung waren auch Angehörige der Opfer dabei: Alfredo Stern und Susana Klick.

Alfredo Stern ist der Sohn von Marianne Winter. "Ghetto und KZ überlebte von der Familie Winter/Theisebach nur sie", betont Herlitz. Susana Klick begleitete die Stolpersteinverlegung für die Familie Katz in Wevelinghoven. Ihre Mutter, eine geborene Katz, hatte noch 1935 in der Gartenstadt geheiratet. Im Gegensatz zu ihren Verwandten gelang dem jungen Paar die Flucht. Über die Niederlande, Belgien und Frankreich gelangte es nach Argentinien. Dort wurde Susana Klick geboren.

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Auch Alfredo Stern erblickte in Südamerika das Licht der Welt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten seine Eltern versucht, in Paraguay ein neues Leben anzufangen. "Ein Vorhaben, das sie nach wenigen Jahren wieder aufgeben mussten und sich schließlich wieder in Hemmerden — gegen so manchen Widerstand im Land der früheren Täter — eine neue Existenz aufbauten", erklärt Herlitz.

Am Rande der Stolpersteinverlegung stellten Alfredo Stern und Susana Klick Erstaunliches fest: verwandtschaftliche Bande. "So, wie es aussieht, sind sie Großcousin und Großcousine", sagt Herlitz. "Ihre Großmütter waren offenbar Geschwister."

Insgesamt liegen in Grevenbroich rund 40 Stolpersteine. 2014 sollen weitere hinzukommen. "Eine entsprechende Terminanfrage bei Gunter Demnig läuft", sagt Herlitz. Eine Zusage steht noch aus. Demnig ist ein gefragter Mann: Seit 1996 verlegt der 66 Jahre alte Künstler seine Stolpersteine als Mahnung gegen das Vergessen der NS-Gräueltaten. Inzwischen sind es mehr als 40 000 Stolpersteine in rund 800 deutschen und 200 ausländischen Städten. Finanziert werden die Gedenksteine über Patenschaften. Mehr unter www.judentum-grevenbroich.de im Internet.

(NGZ)
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