1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: "Grusel-Tour" durch das Stadtzentrum

Grevenbroich : "Grusel-Tour" durch das Stadtzentrum

Anni Bierbaum bietet eine Stadtführung der ganz anderen Art und erzählt so manche bislang verborgene Legende.

Als die Turmuhr der Kirche am Marktplatz "sechs" schlägt, geht es los: Nur mit einer kleinen Laterne ausgerüstet startet Anni Bierbaum (64) aus Wevelinghoven die erste offizielle "Grusel-Tour" der Volkshochschule durch das Stadtzentrum. Als ausgebildete Stadtführerin will sie den 20 Teilnehmern der Grusel-Führung Legenden und alte Sagen aus der Stadt und ihrem Umkreis erzählen, die teilweise nachweisbar auf wahren Begebenheiten basieren und um so gruseliger wirken.

Durch das düstere "Kampers Wäldchen" geht es zur alten Feuerwache. Foto: Michael, Reuter

Mit dabei sind auch die drei Freundinnen Trude Schwieren-Hessels aus Allrath, Margret Feuster aus der Südstadt und Margret Schmitz aus Neuenhausen, die sehr oft gemeinsam Stadtführungen besuchen und schon gespannt sind, was sie an diesem Abend in Grevenbroich erwartet. Denn sie wollen sich gruseln und Orte kennen lernen, an denen sie noch nie waren oder die sie noch nie bewusst wahrgenommen haben.

Im Alten Schloss gab's in früheren Jahrhunderten einen Kerker. Foto: Michael, Reuter

So startet die Tour der gruseligen Art am Marktplatz — genauer gesagt vor dem heutigen Jugendcafé "Kultus", in dem es noch heute spuken soll: Anni Bierbaum erzählt von einer "weißen Frau", der Witwe Aleidis, deren Mann sich umgebracht hatte und die zum Trauern in das damalige Wilhelmitenkloster gezogen war. "Dort sei sie immer und immer wieder von einer seltsamen Gestalt verfolgt worden — und zwar bis in ihre Träume", schildert Bierbaum den Teilnehmern.

Noch heute würde die "weiße Frau" nachts im ehemaligen Kloster ihr Unwesen treiben und verängstigt von schweren Tritten, die sie noch heute verfolgen, durch das Gebäude huschen.

Auf dem Weg zum Alten Schloss erzählt Bierbaum außerdem von einem Pranger, der im Mittelalter auf dem Grevenbroicher Marktplatz aufgestellt war. Eine von vielen Legenden um die Stadt sei auch die vom Massenmörder und Kannibalen Peter Stumpf, der oft gemordet hatte, die Leichen Stück für Stück verspeist hatte — und der von den Bürgern für einen Werwolf gehalten wurde. "Es gab wohl damals Bürger, die ihn zur Vollmondnacht heulen gehört haben", sagt Bierbaum, die mit ihrer Gruppe mittlerweile vor dem Alten Schloss angekommen ist.

"Unter dem heutigen Restaurant des Schlosses sollen sich noch Gewölbekeller aus dem Mittelalter befinden, die als Folterkammer genutzt wurden. In denen wurden Frauen gequält hatte, die für Hexen gehalten wurden. Bierbaum erzählt von Gertrud, die im Kerker 14 Wochen gefoltert wurde und starb.

"Jetzt wird's gruselig", sagen auch die drei Freundinnen, als es mit der Gruppe durch die dunkle Allee in Richtung Alte Feuerwache geht, wo Äste knistern und sich die Lichter der Laternen im stillen Erftwasser spiegeln. Dort erzählt Bierbaum vom geheimnisvollen "Feuermann". Der soll in Form tausender Glühwürmer Grevenbroicher in Angst und Schrecken versetzt haben, die Begrenzungssteine versetzen wollten, um ihr Grundstück illegal zu vergrößern.

(cka)