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Grevenbroich: Grüße zum Fest aus sechs Jahrzehnten

Grevenbroich : Grüße zum Fest aus sechs Jahrzehnten

Jürgen Larisch (66) aus Wevelinghoven sammelt leidenschaftlich Grußkarten aus den Jahren 1900 bis 1960. Darunter sind viele, die in der Weihnachtszeit verschickt wurden. Motive und Texte dieser Karten verraten viel über ihre Schreiber und deren Leben.

In Zeiten von Snapchat, WhatsApp und E-Mails ist es eine aussterbende Tradition. "Wer schreibt denn heute noch Weihnachtskarten?", fragt Jürgen Larisch mit leichtem Bedauern in der Stimme. Denn Postkarten sind die Leidenschaft des 66-jährigen Wevelinghoveners.

In den Adventswochen blättert er besonders gerne in den Weihnachtskarten seiner umfangreichen Sammlung. Die verraten erstaunlich viel über deren Absender und die Zeit, aus der sie stammen. So wird etwa in den Grüßen an die Familie auf einer Ansichtskarte von 1908 die Verwandtschaft noch gesiezt. Als 1958 eine DDR-Familie Weihnachtsgrüße an Bekannte in Horrem schickte, war die Sprache schon persönlicher: "Wilma ist nach der Blinddarm-OP wohlauf", heißt es darin. Düster klingen hingegen die Texte auf den Grußkarten, die in den Weltkriegen geschrieben wurden - sie spiegeln die Angst und Einsamkeit der Soldaten wider.

Die Vorderseiten haben sich 1900 stark verändert. Früher gab es vor allem christliche Motive, später waren es Bilder von den Kriegen, dann Ansichten glücklicher Familien. Larisch sammelt nur bis zum Jahr 1960 - "danach gab es nur noch Massenware". Wenn er selbst Weihnachtsgrüße verschickt, greift der 66-Jährige auf Karten von Unicef oder SOS-Kinderdorf zurück - "die sind für einen guten Zweck".

(NGZ)