Bürger-Versammlung in Grevenbroich Großer Ärger über Bahnstraßen-Umbau

Grevenbroich · Die Wogen schlugen hoch bei der Info-Veranstaltung der Stadt über den zweiten Bauabschnitt der Bahnstraße. Mehr als 100 Bürger kamen. Es hagelte Beschwerden über den ersten Abschnitt, die Mängel dürften sich nicht wiederholen.

 Die schmale Fahrbahn für zwei Fahrtrichtungen und die „Doppelpack“-Stellplätze gehören zu den Kritikpunkten von Bürgern.

Die schmale Fahrbahn für zwei Fahrtrichtungen und die „Doppelpack“-Stellplätze gehören zu den Kritikpunkten von Bürgern.

Foto: Kandzorra, Christian

Eigentlich wollte die Stadt über Bauzeiten und Sperrungen für den zweiten Umbauabschnitt der Bahnstraße informieren. Doch Beigeordneter Florian Herpel, der die Versammlung moderierte, ahnte, was da auf die Verwaltungsbank zukam. „Ich bitte um Verständnis, dass wir hier nicht über das Grundsätzliche der Planung diskutieren“, sagte er zu Beginn. Doch genau das erwarteten etliche Teilnehmer. Sie machten ihrem Ärger über den fertigen Abschnitt zwischen Fußgängerzone und Ostwall Luft. Ob Geschäftsleute, Autofahrer, Radler oder Fußgänger – es hagelte Beschwerden über das Ergebnis, verbunden mit der Forderung, Fehler nicht auf dem zweiten Teilstück zu wiederholen.

Als „Katastrophe für Fahrradfahrer“, bezeichnete ein Grevenbroicher, der 90 Prozent seiner Erledigungen mit dem Rad abwickelt, die bisherige Neugestaltung. Die Kritik mehrerer: Da der Radverkehr keine eigene Spur habe, würden sich Autos auf der schmalen Fahrbahn an Radfahrern vorbeiquetschen. An der Kreuzung vor dem Ostwall stünden Radler mehrere Ampelphasen im Stau inmitten von Autoabgasen.

Fußgänger berichteten von Kollisionen mit Radlern auf dem Bürgersteig, Autofahrer von Remplern wegen Pollern und Laternen. Und die Lösung der Doppelparkplätze führe zum Chaos. Auch Herpel hat „wild-west-ähnliches Parken“ beobachtet. „Wir haben eine neue Verkehrssituation“, sagte er. Es funktioniere, wenn sich alle rücksichtsvoll verhalten. Das stieß auf Protest. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass Sie alle Bedenken der Bürger damit abtun, Ursache sei rüpelhaftes Benehmen. Warum erkennen Sie nicht, dass die Planung schlecht ist?“, fragte ein Teilnehmer. Herpel verwies darauf, dass Grundlage des Umbaus Beschlüsse des Rates seien, denen eine umfassende Bürgerbeteiligung vorausgegangen sei.

Doch wie soll es weitergehen? Der ehemalige Stadtdirektor Heiner Küpper appellierte, „innezuhalten“, Erfahrungen auszuwerten und Mängel im zweiten Abschnitt abzustellen. Ein Problem: Beim Umstoßen der Planung, etwa bei der geplanten Einbahnstraße, droht aus Sicht der Verwaltung der Verlust von Zuschüssen. „Wir sollten prüfen, was geändert werden kann, ohne Zuschüsse zu gefährden“, sagt Grünen-Fraktionschef Dirk Gawlinski, der als Ratsherr das „Dilemma“ mit verursacht habe, nun aber „nicht mehr ganz hinter den Plänen“ stehe.

Auch SPD-Ratsherr Holger Holzgräber sah es am Rande der Veranstaltung an der Zeit, „nach dem ersten Abschnitt „nachzudenken, was geändert werden sollte“. Martina Suermann von „Mein Grevenbroich“ betonte nach der Versammlung: „Die Unzufriedenheit nahezu aller Anwesenden mit den erfolgten ISEK-Maßnahmen war deutlich, es war keine Betroffenheit Einzelner, so wie es die Verwaltung immer wieder betont hat. Wir erwarten, dass im politischen Raum erneut über die bevorstehenden Maßnahmen diskutiert wird, damit sich Planungsmängel nicht wiederholen. Ein Augen-zu-und-durch wäre eine fatale Entscheidung.“

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