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Grevenbroich: Grippe legt Betrieb im Krankenhaus lahm

Grevenbroich : Grippe legt Betrieb im Krankenhaus lahm

Die Gewerkschaft Verdi warnt vor Personalmangel bei Nachtdiensten. Krankenhausdirektor Ralf Nennhaus beklagt hohen Krankenstand.

"Eklatante Unterbesetzungen bei den Nahtdiensten in Krankenhäusern" beklagt die Dienstleistungsgewerksschaft Verdi. Sie hatte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag 237 Krankenhäuser in ganz Deutschland besucht und dort Schwestern, Pfleger, Helfer, Ärzte und Auszubildende nach ihrer Arbeitssituation befragt. Ein Ergebnis: "Auf mehr als der Hälfte aller Stationen muss eine Fachkraft allein durchschnittlich 25 Patienten betreuen." Als "fahrlässig" schätzen Gewerkschaftsvertreter die Besetzung auf vielen Intensivstationen in der Nacht ein: Dort kümmere sich eine Fachkraft im Schnitt um 3,3 Kranke.

Gegen Personalengpässe nicht nur in der Nacht kämpft Ralf H. Nennhaus, Direktor der Kreiskrankenhäuser in Grevenbroich und Dormagen zurzeit - sie werden verursacht durch die hohen Krankenstände. "Wir haben in beiden Häusern deutlich die Grippewelle gespürt; dazu kamen noch eine Reihe von Patienten mit Brechdurchfall", erläutert Nennhaus. Die Abteilungen für Innere Medizin seien zu mehr als hundert Prozent belegt gewesen.

Die Folgen seien jetzt zu spüren: Nach den Patienten sind viele Mitarbeiter krank; auch die zusätzlichen Belastungen der vergangenen Wochen würden sich bemerkbar machen.

Anders als die Gewerkschaft sieht Nennhaus kein Risiko in den nächtlichen Betreuungsschlüsseln: "Dass eine Kraft 25 Patienten während des Nachtdienstes betreut, das halte ich nicht für einen eklatanten Mangel. In Ausnahmen kümmert sich auch eine Fachkraft um 40 Patienten." Das Thema der Nachtdienste werde in den beiden Krankenhäuser regelmäßig mit allen Beteiligten diskutiert. "Wir bemühen uns, immer eine optimale Lösung zu finden", sagt der Krankenhaus-Direktor. Aber der Kostendruck hinterlasse seine Spuren. "Wir versuchen, während der Nacht in jeder Abteilung zwei Kräfte einzusetzen", sagt Nennhaus. Dabei gebe es - je nach Art der Abteilung - deutliche Unterschiede. In der Geriatrie oder auf der Intensivstation sei die Versorgung aufwendiger; dort kümmere sich ein Mitarbeiter um drei Patienten.

Als "absolut unseriöse Grundlage zur Beurteilung der Leistungen des Pflegepersonals in den deutschen Krankenhäusern" beurteilte auch Georg Baum, der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die Umfrage: "Mit ihrer überzogenen Behauptung über die Gefährdung von Patienten verunsichert Verdi die Bevölkerung, diskreditiert das Verantwortungsbewusstsein der Träger und die Kompetenz ihrer Mitarbeiter."

Für Nordrhein-Westfalen sollen die Ergebnisse in der kommenden Woche vorgestellt werden, erklärte gestern Verdi-Landesgruppensprecher Günter Isemeyer auf Anfrage unserer Zeitung: "Die Kollegen müssen die Ergebnisse noch detailliert auswerten."

(NGZ)