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Grevenbroich: Grevenbroichs Lieblings-Esel

Grevenbroich : Grevenbroichs Lieblings-Esel

Für Generationen von Grevenbroichern war er der Liebling: der "Geka"-Esel. Mehr als 40 Jahre lang ließ er die Jüngsten aufsteigen, begnügte sich mit einem Groschen oder fünf Cent als Futter. Heute ist er als Fackel zu sehen.

So hätte es immer und ewig weitergehen sollen: Eine Hand auf das linke Ohr legen, das Bein drüberschwingen, fünf Cent einwerfen lassen – und einfach davonreiten. Wenn es einen "Esel der Herzen" gibt, dann war es dieser: der "Geka"-Esel. Nach mehr als 40 Jahren ist Grevenbroichs beliebtestes Reittier abgebaut worden – heute Abend, beim großen Fackelzug der Grevenbroicher Schützen, reitet der kleine Esel mit dem freundlichen Lächeln wieder. Die Fackelbauer der "Waldeslust" und der "Jungschützen" haben ihm ein leuchtendes Denkmal gesetzt.

Niklas Kamps (heute 8) im Alter von zwei Jahren auf dem Esel. Foto: privat

Generationen von Grevenbroichern nannten ihn "mein Eselchen". Ein Ritt auf dem Paarhufer gehörte etwa für Kevin-André Barzen (heute 13), seine neun-jährige Schwester Ann-Sophie und Bruder Jan-Niklas (zwei) dazu, wenn sie mit Mama Sandra in die Stadt gingen. "Schade, dass der Esel weg ist. Auf ihm sind meine Kinder immer gern geritten", so Sandra Barzen.

"Ganz oft kommen Kinder ins Geschäft und fragen: "Wann kommt der Esel wieder?'", erzählt Margret Weber, Verkäuferin bei "Geka"-Mode. Wenn sie dann erzählt, dass der Esel gar nicht mehr wiederkommt, dann "kullern oft Tränchen". Und auch die rasch über die Ladentheke gereichten Gummibärchen können die Kleinen nicht wirklich trösten.

Tränen nach dem Abbau

"Wir haben bis zuletzt versucht, unser Eselchen zu retten", erzählt Inhaberin Else Kamps. Doch in den vergangenen Monaten sei er häufiger defekt gewesen und es sei immer schwieriger geworden, die Ersatzteile zu finden: "Irgendwann ging es einfach nicht mehr." Auch für sie selbst ist das Reittier ein liebgewordener Begleiter: "Mein Mann Arno kam damals auf die Idee", erinnert sich die Geschäftsfrau. Auch die eigenen Kinder und Enkel haben manche Strecke auf ihm zurückgelegt. Um das Futter (fünf Cent-Münzen) zu liefern, hatte es eine extra Wechselkasse gegeben. "Wir waren damals schon froh, dass die Umstellung von zehn Pfennig auf fünf Cent gelungen war", erzählt Else Kamps.

Auch viele Eltern würden das Reittier vermissen: "Vergleichbare Angebote kosten heute 50 Cent oder gar einen Euro, billiger geht nicht", so Kamps. Dies sei der Grund, warum der "Geka"-Esel keinen Nachfolger finden werde.

Heute Abend ist das "Geka"-Team gespannt, wie sein Wahrzeichen als Fackel aussehen wird. Vor seinem Abtransport war der Esel genau vermessen worden, damit die Schützen ihn so originalgetreu wie möglich bauen konnten. Mancher Erwachsene wird heute bei dieser Fackel genau das denken, was er schon als Kind gedacht hat: "Mein Eselchen!"

(NGZ)