Grevenbroich: Grevenbroicherin hilft in Bethlehem

Grevenbroich: Grevenbroicherin hilft in Bethlehem

Trudi Schelhaas engagiert sich für den Verein "Musa'ade", der in Bethlehem ein Kinderhospital unterstützt. Damit die Arbeit dort weitergehen kann, verkauft die 76-Jährige seit Jahren Dekorationsobjekte aus dem Westjordanland.

Zur Taufe ihres Enkels Florian erhielt die heute 76 Jahre alte Trudi Schelhaas ihren ersten Scherbenengel. Er entstand aus zerbrochenem Glas, das Frauen nach der Zweiten Intifada - dem 2000 ausgebrochenen Konflikt zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften - eingesammelt und zu einer kleinen Skulptur zusammengefügt hatten. Heute verkauft die Grevenbroicherin diese Engel und andere Produkte aus dem Heiligen Land in ihrer Heimat - etwa auf Weihnachtsbasaren oder aber am heimischen Küchentisch. Das macht die rüstige Seniorin nicht für die eigene Tasche, sondern zugunsten einer karitativen Einrichtung in Bethlehem.

Trudi Schelhaas ist eine Frau, die viel von der Welt gesehen hat. Seit Ende der 70er Jahre war sie alleine 14 Mal in Israel und Palästina. Auf ihren Reisen lernte sie den Verein "Musa'ade" (arabisch für Hilfe oder Hoffnung) kennen, der 2006 gegründet wurde, sich unter anderem für ein Babyhospital in Bethlehem einsetzt und dort auch Hilfe zur Selbsthilfe gibt.

"Diese Arbeit unterstütze ich sehr gerne", sagt Trudi Schelhaas. Denn das Krankenhaus ist ihr nicht unbekannt. Schon 1978 - damals wanderte die Grevenbroicherin rund um den Berg Sinai - unternahm sie einen Abstecher nach Bethlehem und besuchte das Hospital, in dem alleine im vergangenen Jahr mehr als 40.000 Kinder aus Palästina, dem Gazastreifen und dem Westjordanland behandelt wurden. "Dort sieht man Bilder, die man nie vergisst", erzählt die 76-Jährige. "Das hat mich nie mehr losgelassen."

Das Kinderhospital, das unter der Regie der Caritas steht, finanziert sich komplett aus Spenden. Und Trudi Scheelhaas trägt in Grevenbroich über den Verein "Musa'ade" dazu bei, dass die Arbeit in Bethlehem weitergehen kann. Dafür hat sie etliche Mitstreiter gewonnen, so wird sie unter anderem auch von der Frauengemeinschaft der Pfarre St. Stephanus Elsen unterstützt.

Über Pater Rainer Fielenbach aus Bamberg, der dem Karmeliter-Orden angehört, bezieht Trudi Schelhaas unterschiedliche Waren, die in Bethlehem hergestellt wurden. Darunter sind Federmäppchen oder Gebetbuchhüllen, die von Frauen in einem Flüchtlingslager mit traditionellen palästinensischen Motiven bestickt wurden. Aber auch unterschiedliche Dekorationsobjekte aus Olivenholz aus den Werkstätten von 50 Holzschnitzerfamilien und Filzsachen, die in einem Behindertenheim angefertigt wurden. Und auch die Engel aus Glasscherben hat sie im Angebot. "Die Waren aus Bethlehem verkaufen sich vor allem in der Weihnachtszeit sehr gut", sagt Trudi Schelhaas zufrieden.

Über das ehrenamtliche Engagement hinaus ist die Grevenbroicherin politisch interessiert. "Die Spannungen zwischen dem Staat Israel und Palästina sind katastrophal für die Menschen in Bethlehem", sagt sie. "Die Stadt ist von Mauern umgeben. Dort stehen mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer und bewachen die Bevölkerung." Familien seien getrennt, die Infrastruktur liege am Boden, die Arbeitslosigkeit sei hoch. Das Elend schlage sich auch im Kinderhospital nieder. "Es braucht dringend Unterstützung."

(NGZ)