Grevenbroicher Zahnärzte ehrenamtlich in Namibia

Ehrenamtlicher Einsatz von zwei Grevenbroicher Pensionärinnen : Ehrenamtlich als Dentisten in Namibia

Ursula Welling-Skulj und Erika Hartmann-Baumann waren zwei Wochen für „Zahnärzte ohne Grenzen“ in Afrika.

Für ihren Einsatz in Keetmanshoop, einer Regionshauptstadt im Süden Namibias, packten Erika Hartmann-Baumann und Ursula Welling-Skulj in ihre Koffer zu den weißen Arztklamotten auch allerlei zahnärztliches Besteck, Anästhetika, Spritzen sowie Leuchtmittel. „Das fehlt in den Zahnarztpraxen vor Ort“, wussten die beiden, bevor sie erstmals für den Verein „Zahnärzte ohne Grenzen (kurz DWLF)“ zum ehrenmtlichen Einsatz kamen.

Erika Hartmann-Baumann mit Assistentin beim Eingriff am Patienten in Keetmanshoop, Namibia, als „Zahnärztin ohne Grenzen“. . Foto: Ursula Welling-Skulj

„Zwei Wochen waren wir ehrenamtlich aktiv“, erzählen die beiden Zahnärztinnen. In Deutschland sind die beiden pensioniert, haben ihre Praxen in Frimmersdorf beziehungsweise Wevelinghoven längst an Nachfolger übergeben. „Aber nach Beendigung meines Berufslebens wollte ich mich gerne für andere einbringen“, erzählt Ursula Welling-Skulj. „Und mit sozialem Engagement der Gesellschaft etwas zurückgeben“, ergänzt Erika Hartmann-Baumann. „Und das nicht irgendwie oder irgendwo, sondern dort, wo wir wirklich gebraucht werden.“ In Namibia.

Ursula Welling-Skulj (l.) und Erika Hartmann-Baumann. Foto: Dieter Staniek

Dort ist die zahnärztliche Versorgung eher rudimentär. „Es ist erschreckend, mit was für maroden Zähnen die Menschen dort leben“, sagen beide bestürzt schon über den Zustand bei Kindern. 14 Tage waren die beiden Frauen, die sich durch ihren Beruf in Grevenbroich kennenlernten und auch bei gemeinsamen Fortbildungen privat anfreundeten, dort. „Am Tag haben wir etwa 50 Patienten gesehen und bis zu 60 Zähne gezogen“, was in Europa speziell einstellbare Behandlungsstühle sind, wird dort „per besserem Gartenstuhl“ ersetzt – und um die Münder gut ausleuchten zu können, trugen die Ärztinnen Grubenlampen an der Stirn oder ließen sich von den Assistentinnen Melanie Pohlmann und Jessika Elliker per Stablampe helfen. Denn Lampen fehlten in den Behandlungsräumen.

„Das lässt sich alles gar nicht miteinander vergleichen“, bilanzieret das Duo Zahnhygiene und -prophylaxe in Deutschland mit Zuständen in Keetmanshoop. „Hier tut Hilfe wirklich Not. Vielleicht war es zunächst ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin ein Anfang“, resümieren sie ihren ersten Einsatz für das Hilfswerk.

„Ein langer Vorlauf ist nötig, um mitmachen zu können“, Lebenslauf, Zeugnisse und Approbationen mussten die Grevenbroicherinnen ihrem Bewerbungsschreiben beifügen. Den Einsatzort durften sie mitbestimmen, Flug sowie Unterkunft vor Ort organisierten und bezahlten sie selbst. Am Ende jedes Tages fielen sie todmüde in ihre Betten. „Es war gut, vor allem wichtig, den Menschen zu helfen“. Allen Strapazen zum Trotz wollen sie sich von DWLF weiter herumschicken lassen. Zwar sei ihnen zu Hause nicht langweilig, Hobbys, Familien- und Freundeskreis beschäftigen beiden aufs Schönste. Aber den Einsatz für andere erachten sie als notwendig und weil er von den Kollegen, die noch normal in Lohn und Brot stehen nur schwer zu erbringen ist, „möchten wir uns weiter einsetzen lassen“.

Kap Verde, Togo, die Mongolei oder ein anderer Teil Namibias – „im kommenden Jahr sind wir wieder bereit“. Bis dahin übrigens wollen sie unter anderem ihre Englischkenntnisse zur Kommunikation vor Ort noch weiter ausbauen.

Mehr von RP ONLINE