Grevenbroicher SPD fordert Pilotmodell für Tempo 30 in Barrenstein

Straßenverkehr in Grevenbroich: Barrenstein soll Tempo 30-Zone werden

Die SPD-Fraktion hat ein „Pilotprojekt Tempo 30“ benatragt. Das Limit soll ein Jahr im kompletten Dorf Barrenstein samt der Durchgangsstraßen getestet – und bei Erfolg auf weitere Grevenbroicher Stadtteile ausgeweitet werden.

Bis zum Frühjahr mussten die Barrensteiner den Umleitungsverkehr während der L 142-Sanierung durch ihr Dorf ertragen, ruhig geworden ist es aber auch danach auf den Straßen im Ort nicht. „Und viele Autofahrer halten sich hier nicht an Tempo 50“, weiß Anwohner Michael Pfeiffer,

SPD-Politiker und viele Barrensteiner setzen sich
SPD-Politiker und viele Barrensteiner setzen sich für Tempo 30 im kompletten Ort ein. Das Thema wird im Bauausschuss behandelt. Foto: RP/Carsten Sommerfeld

Wenn es nach der SPD-Ratsfraktion und auch vielen Barrensteinern geht, soll im Dorf durchgehend Tempo 30 eingeführt werden. Die Sozialdemokraten haben jetzt im Stadtrat das „Pilotprojekt Tempo 30“ für Barrenstein beantragt. „Unser Ziel ist eine einheitliche Temporegelung in den Ortsteilen. Beispielsweise in der Innenstadt verunsichert der häufige Wechsel zwischen Tempo 30 und 50 viele Autofahrer. Sie wissen manchmal nicht, wie schnell sie fahren dürfen“, erläutert SPD-Ratsherr Holger Holzgräber, der zusammen mit Ratskollegem Gunter Schillings und Bauausschuss-Vorsitzendem Jürgen Linges das Projekt am Freitag in der Ortsmitte vorstellte. „Tempo 30 erhöht die Sicherheit insbesondere für Kinder, ältere Menschen und Radfahrer, verringert Lärm und Schadstoffemissionen“, begründet Holzgräber. Bewährt sich der Probelauf im Dorf, möchten die Sozialdemokraten das Modell gern auf andere Stadtteile ausweiten.

Für Barrenstein als Ort für den den beantragten Probelauf hat sich die Fraktion entschieden, weil auch viele Bewohner Tempo 30 wünschen. Dies wurde bei einem Treffen vergangene Woche im Ort deutlich. „Viele Unfälle passieren, wenn verschiedene Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichem Tempo aufeinandertreffen“, sagt Dr. Rainer Scheibling. Der Kinderarzt behandelt auch junge Unfallopfer in der Praxis. „Ich möchte nicht, dass so ein Unfall mit einem Kind bei uns passiert.“

Sabine Wolter ist immer besorgt, wen ihre acht Jahre alte Tochter zur Bushaltestelle geht. „Wegen der parkenden Autos kann sie, wenn sie über Straße will, den Verkehr schlecht überblicken – und viele Autos sind hier sehr schnell“, schildert sie.

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Ein weiteres Problem im Ort sind die oft schmalen Bürgersteige. „Vor unserer Haustreppe ist der Weg etwa 20 Zentimeter breit. Da habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich hinausgehe und dann die Autos auf der Muchhausener Straße schnell so nah vorbeifahren“, berichtet Martina Scheibling. Johannes Wernke beobachtet, dass viele Lkw-Fahrer – oft zu schnell – durch Barrenstein fahren würden, um Wege abzukürzen. Dagmar Wernke und Franz Poschen berichten vom Problem, angesichts des Verkehrs mit dem Auto aus der Hauseinfahrt auf die Straße zu gelangen.

So soll es nach Ansicht der SPD weitergehen: Zunächst soll die Stadtverwaltung prüfen, ob sich Barrenstein für das Pilotprojekt eignet. Zudem müsse die Stadt Kontakt mit dem Rhein-Kreis aufnehmen, schließlich führen die Kreisstraßen 10 und 33 durch das Dorf. Erforderlich sei eine enge Abstimmung mit den Bürgern auch während der Testphase Geprüft werden sollen auch weitere Maßnahmen zur „Entschleunigung“, beispielsweise durch versetztes Parken. Das ist einer von mehreren Wünschen, die Barrensteiner zusammengestellt haben. Außerdem wünschen sie sich einen Verkehrsspiegel an der Kreuzung Muchhausener/Wevelinghovener Straße. Autofahrer müssten auf der Muchhausener Straße sehr weit nach vorn fahren, um den Verkehr an der Kreuzung überblicken zu können.

Nach einem Jahr mit flächendeckendem Tempo 30 sollen die Erfahrungen ausgewertet werden. Anschließend soll entschieden werden, ob das einheitliche Tempolimit auch für weitere Stadtteile gelten könnte.