Grevenbroicher Kommunalpolitiker baut sich den Tagebau Garzweiler en miniature ins Wohnzimmer.

Wolfgang Norf aus Grevenbroich entspannt beim Modellbau : Den Kohletagebau im Wohnzimmer

Der Grevenbroicher Wolfgang Norf hat damit begonnen, in seinem Wohnzimmer den Tagebau Garzweiler mit liebevoll gebastelten und beleuchteten Modell-Absetzern nachzubauen. Ehefrau Renate drückt (noch) beide Augen zu.

Bei schönem Wetter fährt Wolfgang Norf Motorrad, bei schlechtem Wetter baut er Modelle und zwar ganz besondere: Im Wohnzimmer des Grevenbroichers entsteht zur Zeit der Tagebau Garzweiler im Miniaturformat. Ehefrau Renate drückt noch beide Augen zu, denn er hat ihr versprochen: „Wenn ich fertig bin, räume ich alles wieder weg.“

Das könne noch dauern, fügt der passionierte Modellbauer hinzu. Seit 40 Jahren bastelt, baut und tüftelt der gebürtige Hildener schon vorwiegend an Eisenbahnlandschaften. Doch als er kürzlich im Internet einen Modell-Absetzer mit Rheinbraun-Aufkleber fand, den es schon längere Zeit nicht mehr gibt, da war es um ihn geschehen: „Als ich 1999 nach Grevenbroich gezogen bin, waren die Bagger im Tagebau das Erste, was mir auffiel. Die gehören doch hier zur Heimat“, meint Norf, der im Zivilberuf Geschäftsführer der Tafel ist.

So verlegte er kurzerhand sein Bastelzimmer vom Dachboden in das größere Wohnzimmer und begann, den großen Absetzer aufzubauen, eine Kohlegrube und seinen eigenen Tagebau Garzweiler anzulegen. Und die Modellbaulandschaft soll noch ordentlich wachsen und „nicht nur zur Weihnachtszeit“ auch rundherum leuchten. Mit 40 LED-Lämpchen will Wolfgang Norf seinen „Bagger“ noch bestücken – für romantische Abende bei den Norfs ist also gesorgt.

Doch der Wahl-Grevenbroicher, der auch in der örtlichen SPD mitarbeitet, verbindet mit seinem neuesten Modellbauwerk auch eine Einstellung. Er hat Sorge, dass die Leitentscheidung zum Kohleende im Jahr 2045 über den Haufen geworfen werden könnte: „Wenn wir nicht genug Zeit für den Strukturwandel haben, dann wird es in Grevenbroich noch mehr Arbeitslose geben“, befürchtet Norf, der bei der Existenzhilfe und der Tafel schon jetzt täglich die Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit vor Augen geführt bekommt. Nicht nur im Modellbau, auch in der Realität hat Norf ein entspanntes Verhältnis zu allem, was zu Tagebau gehört. Er unterstützt deshalb auch die Großkundgebung der RWE-Mitarbeiter, die heute in Bergheim für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren wollen: „Ich habe viele Verwandte und Bekannte, die bei RWE oder bei Tochterunternehmen arbeiten“, berichtet Norf.

Übrigens wird dem Modellbauer auch die Arbeit nicht ausgehen, wenn sein Mini-Tagebau fertig ist. Ebenfalls im Wohnzimmer hat sich schon ein weiteres Modellbauprojekt Raum und Aufmerksamkeit erobert: Denn parallel zur Tagebaulandschaft hat Wolfgang Norf angefangen, eine lebensechte Feuerwache im Modell zu bauen. Ehefrau Renate wird also so bald „ihr“ Wohnzimmer nicht mehr für sich alleine haben. Doch Wolfgang Norf übt sich im Vergleich zu seinen ersten Modellbauerjahren schon mächtig in Bescheidenheit: „Als ich damals mit meiner Eisenbahn angefangen habe, da hatte ich eine Anlage komplett in einem 30 Quadratmeter großen Hobbyraum aufgebaut“, erzählt er. Und jetzt bastele er ja nur noch bei schlechtem Wetter, sagt er, weiß er aber doch, dass jetzt die kalte Jahreszeit beginnt.