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Grevenbroich: Grevenbroicher "blitzen" mit der Polizei

Grevenbroich : Grevenbroicher "blitzen" mit der Polizei

Polizei kontrollierte gestern in Kapellen, Wevelinghoven und an der B 59. Ein Autofahrer war 40 "Sachen" zu schnell.

Polizeihauptkommissar Peter Holz blickte durchs Zielfernrohr, steuerte mit einem kleinen roten Punkt das Autokennzeichen des PKW an — und "drückte ab": Tempo 27 zeigte das Lasermessgerät an, der Autofahrer auf der Friedrichstraße hielt sich ans Limit. Ganz anders ein Fahrer, den ein Radargerät des Kreises an der Von-Goldammer-Straße erfasste: Er hatte 40 Sachen zu viel auf dem Tacho, war damit unrühmlicher "Tagessieger" gestern Vormittag beim Blitz-Marathon im Kreisgebiet. Ihn erwarten 160 Euro Bußgeld, drei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.

Im Rahmen des landesweiten Blitz-Marathons hatte sich die Polizei gestern an 17 Messstellen im Kreis postiert, darunter drei in Grevenbroich. Bis zum Mittag wurden 1792 Verkehrsteilnehmer in der Schlossstadt kontrolliert, 21 waren zu schnell. Mit der Aktion will die Polizei die Zahl der Unfälle mit Verletzten und Toten verringern: "Zu hohe Geschwindigkeit ist Killer Nummer eins im Straßenverkehr", so Polizeisprecherin Diane Drawe.

Den Standort an der Friedrichstraße in Höhe der Kirche vorgeschlagen hatte Dieter Kivilip. Der Kapellener begleitete als "Messpate" die Kontrollaktion der Polizei. Der 60-Jährige wohnt wenige Meter weiter. "Rund 80 Prozent der Autos hier auf der Straße sind zu schnell. Dabei sind nebenan die Grundschule und zwei Kindergärten, hier sind viele Kinder unterwegs", sagte Kivilip. "Auch manche Eltern, die ihre Kinder zu den Einrichtungen bringen, fahren zu schnell."

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Eine Besonderheit beim sechsten Blitz-Marathon: Grevenbroicher haben die ausgewählte Standorte mitbestimmt. 2360 Menschen — darunter 1600 NGZ-Leser — hatten kreisweit über 36 von Bürgern und Polizei vorgeschlagene "Blitz"-Stellen abgestimmt. Der in Grevenbroich am meisten — von 62 Bürgern — genannte Standort ist an der B 59 in Allrath. Dort postierte sich die Polizei gestern Nachmittag.

Auch Dieter Kivilip steht mit seiner Einschätzung zur Friedrichstraße keineswegs allein: 51 Bürger wünschten eine Kontrolle dort. Gestern aber hielten sich 74 in 70 Minuten gemessene Autofahrer ans Tempo 30 — kein Wunder angesichts der sichtbar präsenten Polizisten in gelben Regenjacken. "Wir verstecken uns nicht, wir wollen nicht viele Knöllchen verteilen, sondern mit unseren Messungen das Bewusstsein schärfen, angemessen zu fahren", betont Polizeihauptkommissar Bernhard Rösgen.

In Wevelinghoven hatten Kollegen ein Messgerät an der Straße "An der Kolpingschule"— nahe der Realschule — aufgebaut. Auch dort sehen viele Grevenbroicher Handlungsbedarf: 52 Bürger hatten sich Messungen gewünscht. "Wir nehmen die Sorgen der Bürger ernst — auch wenn manchmal die subjektiven Eindrücke nicht mit den späteren Messergebnissen übereinstimmen", so Gerhard Kropp, Leiter der Direktion Verkehr. "Die Menschen fahren wesentlich zurückhaltender als sonst. Wir hoffen, dass der Blitz-Marathon einen nachhaltigen Effekt hat und die Autofahrer ihr Tempo dauerhaft drosseln", erklärte Polizeisprecher Hans-Willi Arnold.

(NGZ)